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Dürfen Firmen Steuern umgehen?

, Hayek/Keynes

Jahrzehntelang stritten Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes über den Konflikt zwischen Staat und Markt. Diesmal: Sollen sich Unternehmen der Besteuerung entziehen können?

Hayek und Keynes © Jindrich Novotny
Streithähne: Friedrich August von Hayek (l.) und John Maynard Keynes

Sehr geehrter Herr Keynes,
haben Sie das mitbekommen? Ein amerikanisches Unternehmen erzielt den höchsten Quartalsgewinn aller Zeiten. Offen gestanden: Ganz klar ist mir der Reiz seiner Produkte – mit einem drolligen angebissenen Apfel als Logo – zwar nicht. Aber die unternehmerische Leistung scheint beachtlich. Ihren Jüngern in der US-Regierung fällt derweil natürlich nichts Besseres ein, als nachträglich eine Einmal-Steuer zu erheben.
Ihr F. A. Hayek

Mein lieber Hayek,
dürfte ich Sie wohl darauf hinweisen, dass dieser enorme Quartalsgewinn auch deshalb zustande kommen konnte, weil das Apfel-Unternehmen sich der Besteuerung in den Vereinigten Staaten zuvor zu einem guten Teil entzogen hat. Und nun sitzt die Firma auf ihrem satten Gewinn herum, anstatt ihn wieder zu investieren. Klarer Fall: Der Volkswirtschaft hilft es im Zweifel mehr, wenn der Staat diese Steuereinnahmen für Investitionen einsetzt. Aber so, wie ich Sie kenne, heißen Sie den Steuerdiebstahl wieder unter dem Mantel der Freiheit gut, nicht wahr?
Ihr John Maynard

Capital 03/2015
Die neue Capital

Sehr geehrter Herr Keynes,
was ein Unternehmen mit seinen Gewinnen macht, müssen Sie schon ihm selbst überlassen. Aber zu Ihrer Frage: Wenn Sie mich besser kennen würden, dann wüssten Sie, dass ich gegen Steuern im Kern nichts habe. Selbst über die Höhe kann man reden. Allerdings bin ich der Ansicht, dass sie eine ganz zentrale Bedingung erfüllen müssen: Die Mittel für die Aufgaben des Staates „sollten aufgrund einer Regel aufgebracht werden, die für alle einheitlich gilt“ (Hayek, 1966). Mit einer Vielzahl von Ausnahmen, Spezialsteuern und Sonderregeln verstoßen die meisten Staaten dagegen. Und schaffen damit erst die Grundlage für Trickserei.
Ihr F. A. Hayek

Ach Du meine Güte,
wieder so ein realitätsferner Vorschlag aus Ihrem österreichischen Elfenbeinturm! Viel Spaß bei der politischen Umsetzung einer solchen „Hayek-Flatrate“. Die ist ja schon vielerorts gescheitert. Immerhin überraschen Sie mich aber damit, dass Sie im Grunde gar nichts gegen Steuern haben. Nähern wir uns hier gerade ausnahmsweise mal an, mein lieber Hayek?
Ihr John M.

Sehr geehrter Herr Keynes,
schon Ihr sarkastischer Ton lässt vermuten, dass es mit unserer Annäherung nicht weit her ist. Und so werde ich Sie mit meiner Antwort vermutlich enttäuschen müssen. Denn da, wo Steuern eben nicht für alle gleich eingesetzt werden, sondern als Mittel einer politischen Agenda, da könnten sie falscher nicht sein. Nichts anderes steht hinter einer willkürlich erhobenen Einmal-Zahlung wie jetzt in Amerika. Und nein, der Staat weiß eben nicht besser, was mit dem Geld zu geschehen hat. Woher sollte er dies auch wissen? Von Ihnen etwa?
Ihr F. A. Hayek

 

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