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Du bist nicht James Bond

, Anne Weitzdörfer

Unsere Karriere ist voll von Klischees und Traumbildern, die wir erreichen wollen. Ist das immer richtig und nötig? Von Anne Weitzdörfer

Daniel Craig als James Bond
Daniel Craig als James Bond: Die meisten Menschen sind weder Agent mit Doppelnull-Status noch charismatische Superunternehmer - Foto: Face to Face

Anne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der BerufsweltAnne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der Berufswelt

 


Andreas ist Anfang 40 und arbeitet seit mehr als zehn Jahren in der Konsumgüterindustrie. Ganz klassische Karriere: verschiedene Positionen im Vertrieb, eine Stabstelle mit eher strategischem Auftrag, dann der obligatorische Auslandseinsatz.

Seit zwei Jahren ist er wieder in der deutschen Zentrale. Optisch mittlerweile erschreckend nah an Käpt’n Iglo: mit sympathischer Plauze, die die Goldknöpfe auf dem Doppelreiher schön in Szene setzt.

Ob er zufrieden ist in seinem Job? Nö. Wir kennen uns seit vielen Jahren, und leidenschaftliches Lamentieren über diese Unzufriedenheit macht einen nicht unbeträchtlichen Teil unserer Gespräche aus.

steter Quell eigener Unzufriedenheit

Capital-Cover 06/2015
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Dabei ist bei Andreas vor jeder Veränderung eine gespannte Vorfreude zu beobachten. Inklusive eines sehr klar gezeichneten Bildes von sich selbst: Anfang 20 hatte dies viel mit James Bond zu tun. Wichtige Missionen, knallharte Action. Anfang 30 wandelte sich das Bild in Richtung erfolgreicher Geschäftsmann: eloquent, tough, von allen bewundert. In Asien sah sich unser Protagonist dann eher in Kolonialkulisse mit einem Gin Tonic in der Hand in einer heruntergekommenen Bar in Saigon. Im Hintergrund ein monoton vor sich hin flappender Ventilator.

Sind Sie noch da? Gut. Die Frage, worauf ich eigentlich hinauswill, ist berechtigt. Fällt Ihnen was auf? Es beginnt immer mit Bildern von sich selbst. Wunderbar ausgemalt. Und fast immer unerreichbar. Denn Andreas war weder Agent mit Doppelnull-Status noch der charismatische Superunternehmer. Und auch die Doppelhaushälfte, in der er heute wohnt, ist nicht gerade das Heim, in das er im Geiste einmal ziehen wollte.

Wir alle malen diese Bilder von uns selbst in den schönsten Farben. Bewusst oder unbewusst. Und messen uns in leisen Momenten gnadenlos daran. Ein stiller, aber steter Quell eigener Unzufriedenheit. Warum eigentlich? Ich glaube, weil wir nicht konsequent (genug) für uns selbst in die Verantwortung gehen. Denn wenn jeder immer die für sich bestmögliche Entscheidung trifft und nachjustiert, wenn er unzufrieden ist, dann müssten wir doch – stark vereinfacht – eigentlich mit dem Ergebnis zufrieden sein. Oder nicht?

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich glaube, dass Bilder großartig sind, um sich die eigene Zukunft vorzustellen. Wenn unser Selbstbild aber vor allem dazu dient, uns die Gegenwart zu vermiesen, dann sollten wir es lassen.

Keine Sorge, ich empfehle jetzt nicht, diese Bilder bei Vollmond zu verbrennen. Aber es ist besser, diese Bilder sehr bewusst (das ist anstrengend!) mit einem liebevolleren Blick auf sich selbst zu ersetzen. In der Hoffnung, damit die Freude und den Stolz über das Erreichte überwiegen zu lassen. Und dem realen Leben ein bisschen Gestaltungsfreiheit und Platz für Überraschungen zu lassen. Was denken Sie? Ich jedenfalls werde das Andreas mal sagen.

Die Kolumne Business as Usual erscheint jeden Monat in Capital. Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.  


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