• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pro + Contra

Aus für das öffentlich-rechtliche TV?

, Hayek/Keynes

Jahrzehntelang stritten Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes über den Konflikt zwischen Staat und Markt. Diesmal ringen sie um das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

Hayek und Keynes © Jindrich Novotny
Streithähne: Friedrich August von Hayek (l.) und John Maynard Keynes

Werter Professor Hayek,
wissen Sie, was mich mit stiller Genugtuung erfüllt? Wann immer es in Funk und Fernsehen um Wirtschaft geht, fällt mein Name. Die Rede ist von Keynesianern, keynesianischer Politik oder gleich von mir. Zwar teile ich nicht immer, was da mit mir in Verbindung gebracht wird. Aber es ist doch schön, etwas Bleibendes hinterlassen zu haben. Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen: Von „Hayekianern“ hört man im Fernsehen eigentlich nie.
Ihr John Maynard

Sehr geehrter Herr Keynes,
ich kann mir schon denken, welche Sender Sie da meinen – die so-genannten öffentlich-rechtlichen. Dass die Ihren Namen in Ehren halten, wundert mich nicht. Solche Konstrukte können nur den kruden Gedanken Ihrer Anhänger entsprungen sein: Anstalten, vollgestopft mit Geld aus erzwungenen Abgaben und versehen mit dem anmaßenden Auftrag, das Volk zu bilden.
Ihr F.A. Hayek

Aber Hayek,
das kann doch unmöglich Ihr Ernst sein. Wenn es ein Beispiel für gelungenen Umgang mit öffentlichem Geld gibt, dann doch wohl diese Sender. Dokumentationen, Komik, großartige Filme. Und wir beide wissen doch am besten, welch wichtige Rolle ein Sender wie die BBC als Informationsquelle im Zweiten Weltkrieg spielte.
Ihr John

Capital 09/2015
Die neue Capital

Sehr geehrter Herr Keynes,
das war im Krieg, in einer absoluten Ausnahmesituation, die sogar ich gelten lassen würde. Aber die Politik tendiert dazu, solche Extremlösungen in den Alltag zu überführen. Und was haben wir nun? Teure, staatlich beeinflusste Apparate, deren Existenzberechtigung mir ein Rätsel ist. Wenn man heute bei null anfinge, käme niemand auf die Idee, solche Sender zu gründen. Außer Ihnen vielleicht.
Ihr F.A. Hayek

Och Hayek,
wir fangen eben nie bei null an, das ist ein alter Denkfehler von Ihnen. Sie wollen doch nicht wirklich den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen?
John

Sehr geehrter Herr Keynes,
aber natürlich will ich das. Das sind bürokratische Monstren, die privaten, freien Medien die Luft zum Atmen nehmen und wieder einmal die Hybris von Behörden zeigen. Was bitt’ schön berechtigt denn halbstaatliche Gremien dazu festzulegen, worüber das Volk informiert zu werden hat?
Ihr F.A. Hayek

Nun ja, Hayek,
soweit ich weiß, kommen auch Sie selbst in zahlreichen BBC-Interviews und Dokumentationen zu Wort.
Gez. Keynes

Sehr geehrter Herr Keynes,
das ändert nichts an meiner Haltung. Aber immerhin geben Sie zu, dass nicht nur Ihr Name der Nachwelt in Erinnerung geblieben ist.
Ihr F. A. Hayek

 

Hayek vs. Keynes erscheint monatlich in der Capital. Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.  


Artikel zum Thema
Autor
  • Pro + Contra
Hayek und Keynes gehen ins Internet

Hayek und Keynes streiten über den Konflikt zwischen Staat und Markt. Diesmal: Was taugt das Internet? MEHR

  • Pro + Contra
Wie sinnvoll ist das Helikoptergeld?

Hayek und Keynes streiten über den Konflikt zwischen Staat und Markt. Diesmal: Sollten alle Bürger der Eurozone Geld geschenkt bekommen?MEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.