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Speich sieht Konzerne in der Digitalisierungs-Krise

, von Christian Kirchner

Besitzstandswahrung statt Transformation: Die deutschen Konzerne verschlafen die Digitalisierung, meint Fondsmanager Ingo Speich

Union-Investment-Fondsmanager Ingo Speich
Union-Investment-Fondsmanager Ingo Speich

Im Zuge der Hauptversammlungs-Saison 2017 stellt der Fondsmanager und bekannte Konzern-Kritiker Ingo Speich den meisten deutschen Aktienkonzernen mehrheitlich ein schlechtes Zeugnis in Sachen dringend nötiger Transformationsprozesse aus. „Großkonzerne leiden häufig unter verkrusteten Strukturen und einer ausgeprägten Besitzstandswahrungsmentalität, die notwendige Transformationsprozesse erschwert. Nur wenige schaffen es, den Wandel proaktiv voranzutreiben. Das ist brandgefährlich in einer Zeit, in der die Digitalisierung etablierte Geschäftsmodelle infrage stellt und die Wertschöpfung in vielen Branchen grundlegend verändert“, sagte der Portfolio-Manager der Fondsgesellschaft Union Investment im Capital-Interview (Ausgabe 05/2017, EVT 20. April).

Vorstände und Aufsichtsräte seien seiner Beobachtung nach oft gleichermaßen überrascht von den aktuellen Herausforderungen. „Der Digitalisierungstrend hat die Nische verlassen. Es geht nicht länger nur um den Buchhändler um die Ecke oder die Videothek, sondern um ganze Großindustrien, die in der Breite einen Angriff auf ihr Kerngeschäft erleben“, so Speich. Das erkläre unter anderem auch, warum rund ein Drittel der Dax-Konzerne in einer Krise steckten oder ihre Aktien seit Jahren kaum von der Stelle kämen.

Speich erwartet Zukäufe von US-Investoren

Capital 05/2017
Die neue Capital erscheint am 20. April

Der Portfolio-Manager von Union Investment hat sich als Kritiker auf Hauptversammlung einen Namen gemacht und vertritt dort je nach Konzern zwischen ein und zwei Prozent des Aktienkapitals. Damit gehört der Fondsdienstleister der Genossenschaftsbanken in Deutschland stets zu den größten Einzelaktionären.

Zwar lobte Speich gegenüber Capital grundsätzlich die erfolgreiche Kapitalerhöhung der Deutschen Bank und ihre neue Strategie. „Sie hat zwei Großbaustellen geschlossen: Die größten Rechtsrisiken sind beseitigt, die Kapitalausstattung auf akzeptablem Niveau.“ Für eine Entwarnung sei es aber noch viel zu früh. „Entscheidend wird jetzt sein, ob die Deutsche Bank es schafft, ihre Mitarbeiter bei der erneuten Strategieanpassung mitzunehmen und starke operative Zahlen zu liefern. Das werden die nächsten Quartale zeigen.“

Nach der Übernahmeschlacht um den Pharmakonzern Stada rechnet Speich mit weiteren Zukäufen und Übernahmen deutscher Großkonzerne durch US-Investoren. „Fusionen und Übernahmen und den Einstieg aktivistischer Investoren werden wir künftig noch weitaus häufiger sehen. Gerade in den USA sind enorme liquide Mittel frei und der Anlagedruck hoch“, so Speich. Noch fehlten bei vielen US-Investoren die juristischen und administrativen Strukturen und auch das Netzwerk für entsprechende Zukäufe. „Ist das Eis einmal gebrochen, wird das ganz schnell gehen, auch wegen des recht starken US-Dollars“, so Speich.

Das vollständige Interview mit Ingo Speich lesen Sie in der Mai-Ausgabe von Capital, die am 20. April erscheint. Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes, GooglePlay und Amazon


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