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Dieter Rickert - 1200 Weihnachtskarten

, Jenny von Zepelin

Zu Beginn seiner Karriere kritisierte er eine Rede von Thyssen-Chef Sohl um auf sich aufmerksam zu machen, heute pflegt Dieter Rickert mehr als 1200 Geschäftskontakte. Im Interview mit Capital erklärt er, wie er das geschafft hat.

Dieter Rickert © Andreas Müller, Visum
Dieter Rickert ist der bekannteste Headhunter Deutschlands.

Dieter Rickert, 75, bekanntester Headhunter in Deutschland. Er besetzt die top-Führungsposten in den Konzernen. 


Capital: Herr Rickert, wie war das am Anfang Ihrer Karriere? Wie haben Sie auf sich aufmerksam gemacht?

Ich bin ziemlich angstfrei aufgetreten. Nach meinem VWL- und BWL-Studium hatte ich meinen ersten Job beim Stahlkonzern Thyssen. Dort habe ich ziemlich bald eine Rede des damaligen Konzernchefs Hans-Günther Sohl kritisiert und einzelne Passagen als Unsinn bezeichnet. Ich sollte dann selbst einen Entwurf verfassen, den ich Sohl und seinem Team vortragen musste. Dem imponierte damals, dass ich mich so selbstbewusst in die Runde gestellt habe. Ich wurde sein Ghostwriter, sein „geistiges Holzbein“, wie er selber sagte.

Damit waren Sie ja gleich ins Zentrum der Macht vorgestoßen? Wie haben Sie den nächsten Schritt geplant?

Strategisch geplant habe ich überhaupt nichts, auch wenn das im Nachhinein vielleicht so aussehen mag. Es ging einfach immer Schritt für Schritt weiter. Und Sohl war mein wichtigster Mentor, von dem ich viel gelernt habe. Er wurde BDI-Präsident und holte mich dort in die Geschäftsführung. Da war ich 32 Jahre alt und habe die Chefs der 40 größten deutschen Konzerne kennengelernt. Und darüber hinaus noch viel mehr, denn ich habe auch die Jahrestreffen für über 1000 Gäste organisiert. Da bin ich zwischen all den Großkopferten herumgewuselt und habe viele miteinander bekannt gemacht.

Capital 04/2016
Die aktuelle Capital

Die Kontakte haben Sie dann zum Geschäft gemacht, als Sie einige Jahre später bei einem US-Personalberater anheuerten?

Nein, dazu gehörte schon sehr viel mehr Arbeit. Bevor ich auf die BDI-Kontakte zurückgegriffen habe, wollte ich erst mal einige Referenz-Aufträge vorweisen können. Dafür habe ich anfangs Orte aufgesucht, wo sich potentielle Kunden tummeln. In den 70er-Jahren war das „European Management Symposium“ in Davos, das heutige Weltwirtschaftsforum, noch eine Versammlung der deutschen Wirtschaftselite. Da habe ich mir aus dem Katalog mit den rund 500 Teilnehmernamen zehn rausgesucht, die ich dann kennengelernt habe.

Gut, aber wie genau haben Sie die denn kennengelernt?

Ich bin hingegangen und habe mich vorgestellt. Idealerweise weiß man von einem gemeinsamen Bekannten, über den man zunächst spricht. Man muss irgendein Thema finden, das den anderen interessiert, unterhält, am besten auch mal zum Lachen bringt. Esprit und Schlagfertigkeit sind schon ganz hilfreich.

"Ich habe die American-Express-Karte Ihres Chefs in einem Freudenhaus in Tokyo gefunden"

Sind Sie auch mal abgeblitzt?

Ja, da musste ich dann einen Trick anwenden. Bei einem Vorstandschef hat mich die Sekretärin ständig am Telefon abgewimmelt und nicht durchgestellt. Ich blieb hartnäckig und bei einem meiner nächsten Anrufe sagte ich ihr: ‚Wissen Sie es geht darum, ich habe die American-Express-Karte Ihres Chefs in einem Freudenhaus in Tokyo gefunden und ich wollte nun wissen, ob ich ihm die ins Büro schicken soll, oder...’. Im Hintergrund hörte ich schallendes Lachen – und ich wurde umgehend ins Chefzimmer durchgestellt.

Wie intensiv pflegen Sie Ihre Kontakte?

Mit rund einem Dutzend Geschäftspartnern bin oder war ich auch freundschaftlich verbunden, wie etwa mit dem damaligen Daimler-Vorstand Helmut Werner. Bei rund 100 wichtigen Kontakten sehe ich zu, dass ich sie einmal im Jahr persönlich treffe. Und etwa 1200 Leute bekommen jedes Jahr eine Weihnachtskarte von mir, die ich im übrigen mit Werken von modernen Künstlern gestalten lasse. Das ist mein Markenzeichen geworden.

Wie behalten Sie denn da den Überblick?

Ich habe in all den Jahren ein gutes System mit Handarchiv und Datenbank aufgebaut, das gut gepflegt wird. Jedes Jahr kommen etwa 100 Kontakte neu hinzu und 100 werden aussortiert. Wichtig ist, das man genügend Leute hat, die einen weiterreichen, wenn es wirklich wichtig ist. Ich kenne in fast jedem Unternehmen ein Mitglied aus dem Vorstand oder Aufsichtsrat. Und die erinnern sich auch an mich, wenn ich mich nach langer Zeit wieder melde – auch durch meine Weihnachtskarten.

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