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Die missglückte erste Ehe von AOL

, Capital-Redaktion

Verizon kauft AOL. Ob das gut geht? Schon einmal ging eine AOL-Ehe in die Brüche: die Verbindung mit Time Warner 

AOL-Time-Warner-Scheidung © Illustration: Jindrich Novotny

Diese Entschuldigung komme „vielleicht ein bisschen spät“, räumte Gerald Levin im Jahr 2010 ein. Der Kauf von AOL zehn Jahre zuvor sei wohl „der schlechteste Deal des Jahrhunderts“ gewesen, gab der frühere Chef von Time Warner kleinlaut zu. Viele Jahre brauchte Levin für dieses Eingeständnis – Jahre, um die Schmach des bis dahin größten Nettoverlusts der US-Wirtschaftsgeschichte zu verdauen.

Alles begann an einem Montag im frühen Januar 2000. AOL kündigte an, den sehr viel größeren Medienkonzern Time Warner zu kaufen. Und zwar im gegenseitigen Einvernehmen. David schluckte Goliath. Auch wenn Time Warner gegenüber AOL einen vielfach höheren Umsatz machte, waren die Aktien des Internetkonzerns in schwindelerregende Höhen geklettert. Es war der Höhepunkt der Dotcom-Hysterie. Der Deal: Die Aktionäre von Time Warner bekamen 45 Prozent der Anteile an dem neuen Konzern, der Internetaufsteiger 55 Prozent.

berauscht vom Internethype

Alles war mega, nein, giga. Der neue Konzern AOL Time Warner sollte einen Börsenwert von 350. Mrd. Dollar haben. Es entstand das zu jener Zeit viertgrößte Unternehmen der Welt. Gemessen am Umsatz im Jahr 2000 war es allerdings um das 46-Fache überbewertet.

Levin und AOL-Chef Steve Case waren wie trunken dieser Tage, berauscht von dem Internethype, ihr Blick benebelt. Bei der ersten Pressekonferenz kam der konservative Levin erstmals im offenen Hemd. Case trug Krawatte. Verkehrte Welt. Auch die Aktionäre feierten. Ted Turner, damals größter Einzelaktionär von Time Warner, verglich den Tausch seiner Aktien mit der Begeisterung, die er einst beim ersten Sex empfunden habe.

Doch der Kater nach dem Rausch kam rasch. Die Symbiose aus neuen und alten Medien klappte nicht, eine Integration fand nie statt. Die beiden Lager lieferten sich vielmehr Grabenkämpfe. Und dann platzte auch noch die Dotcom-Blase. Die gigantische Überbewertung von AOL schlug sich nieder und bescherte dem neuen Konzern 2002 einen Nettoverlust von fast 100 Mrd. Dollar. Levin und Case mussten gehen, Time Warner übernahm wieder die Macht.

Im Jahr 2003 verbannte der Konzern AOL aus dem Namen, 2009 wurde der Internetdienst an die Börse gebracht und verkauft. Heute ist der einstige Star der New Economy an der Börse rund 3,5 Mrd. Dollar wert. Und noch immer stehen Entlassungen an.

Hauptperson

Gerald Levin wurde am 6. Mai 1939 in Philadelphia geboren. Schon früh begann er seine Karriere bei dem Medienkonzern Time Warner. Dort arbeitete er sich zum Vorstandsvorsitzenden hoch und fädelte schließlich den desaströsen Deal mit AOL ein. Der Nachrichtensender CNBC verlieh ihm daher seinerzeit den wenig schmeichelhaften Titel des „Worst American CEO of All Time“, des schlechtesten amerikanischen Vorstandsvorsitzenden aller Zeiten. 

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