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Die ökonomischen Folgen der Flüchtlingswelle

, Hayek/Keynes

Jahrzehntelang stritten Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes über den Konflikt zwischen Staat und Markt.  Diesmal geht es um die Flüchtlingswelle.

Hayek und Keynes © Jindrich Novotny
Streithähne: Friedrich August von Hayek (l.) und John Maynard Keynes

Lieber Herr Hayek,
ich wundere mich immer wieder über die Dummheit mancher Menschen. Da sprießt nun allerorts Fremdenhass angesichts der Flüchtlingsströme Richtung Europa. Dabei ist Zuwanderung für diese Länder doch ökonomisch äußerst vorteilhaft, ja überlebenswichtig! Mal ganz davon abgesehen, dass man diesen Menschen in Not helfen muss. Da müssten Sie mir doch ausnahmsweise einmal zustimmen, oder?
Ihr John Maynard Keynes

Sehr geehrter Herr Keynes,
was das Humanitäre angeht, bin ich fraglos Ihrer Meinung. Schließlich bin ich selbst einst ausgewandert. Zum Ökonomischen: Höre ich hier etwa heraus, dass Sie tatsächlich einmal die lange Frist im Blick haben? Dann wären wir vollends einig: Denn auf lange Sicht ist der Nutzen von Zuwanderung unbestritten, schon um den demografischen Niedergang in Ländern wie Deutschland zu stoppen!
Ihr F. A. Hayek

Capital 10/2015
Die neue Capital

Nun, Herr Hayek,
mir ging es durchaus auch um die kurze Frist. Nehmen Sie doch nur die vielen Milliarden Euro, die in Deutschland nun für Flüchtlinge ausgegeben werden. Da schreien die Populisten natürlich auf! Doch bei genauer Betrachtung ist es ein kleines Konjunkturprogramm. Ganze Branchen profitieren bei der Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen. Und selbst das Unterstützungsgeld fließt über Konsum wieder in die Volkswirtschaft. So nehmen die Flüchtlinge am Ende nicht Jobs weg, sondern erhalten sie!
Ihr John M.

PS: Müssten Sie als radikaler Freiheitskämpfer nicht generell für komplett offene Grenzen sein?

Sehr geehrter Herr Keynes,
ich bin tendenziell natürlich gegen jede Form des Protektionismus – ob das nun den Grenzverkehr von Waren oder Arbeitskräften angeht. Allerdings: Kurzfristig bin ich da skeptischer als Sie. Nicht nur, dass mich staatlich subventionierter Konsum zu Boomzeiten bedenklich stimmt. Ich habe darüber hinaus schon früher in meinen Schriften gewarnt: Zunächst führt Einwanderung leider zu Widerständen in der Bevölkerung. Auch angeheizt durch die überforderte Politik.
Gez. Hayek

Ach Hayek,
kurze Frist, lange Frist – wir wollen festhalten: Wir sind uns endlich einmal einig!
Ihr John M.

Sehr geehrter Herr Keynes,
auch Ökonomen sind Menschen. Genießen wir diesen Zustand, lang wird er sicher nicht anhalten.
Gez. F. A. Hayek

PS: Was machen Ihre Anhänger in China nur? Je mehr die Partei interveniert, desto schlimmer wird es. Wie schrieb ich in den Freiburger Studien: Die reine Marktwirtschaft weiß eben doch mehr, „als irgendein einzelner Mensch oder selbst irgendeine Organisation wissen kann“.

 

Hayek vs. Keynes erscheint monatlich in der Capital. Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.  


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