• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Editorial

Die neue Capital

, Horst von Buttlar

Die E-Mail hat uns abhängig gemacht - Privat und im Beruf. Einige Unternehmen wollen von ihr loskommen und planen eine Revolution der Kommunikation im Büro. Besonders radikal geht dabei Atos vor.

Vor einiger Zeit stellte mir unsere IT zwei Schicksalsfragen: Wollen Sie eine Weiterleitung von Ihrer alten E-Mail-Adresse? Und: Wollen Sie Ihr Postfach behalten? Das klingt wie ein Formalie, aber im Grunde fragte die IT: Wollen Sie ein neues Leben beginnen? Es war Anfang des Jahres, als ich den Job bei Capital übernahm. Ich überlegte kurz und stand vor dem gleichen Dilemma wie beim Entrümpeln eines Speichers: Eigentlich kann alles weg. Aber war da nicht vielleicht doch die eine oder andere E-Mail von 2007 mit dieser Idee, die vielleicht noch mal nützlich sein würde?

Ich fällte eine Entscheidung, und sie war falsch: Alles muss mit. Und ich brauche die Umleitung.

Nachdem meine alten Ordner das neue Outlook auf dem Mac gesprengt hatten, wurde mir klar, dass ich die Chance zur Befreiung nicht genutzt hatte. Was mir nicht klar ist: wie ich auf den Verteiler des Deutschen Tanzlehrerverbandes gekommen bin. Dazu müssen Sie wissen, dass man als Journalist ungefragt auf Dutzende, oft Hunderte Verteiler kommt, die einen täglich beschießen wie Drohnenkrieger in „Star Wars“. Ich verbringe inzwischen gefühlt mehr Zeit damit, E-Mails (ungelesen) zu löschen, als sie zu lesen.

Die neue Capital, ab 21. November im Handel

Wir Journalisten sind nicht allein: Fast alle spüren, dass bei der E-Mail seit einiger Zeit etwas außer Kontrolle geraten ist. „You’ve Got Mail“ – so hieß mal ein Liebesfilm mit Tom Hanks und Meg Ryan. Heute könnte man mit dem Titel auch einen Horrorfilm drehen. Mit diesem Pling, das uns zusammenzucken lässt.

Als 2011 Thierry Breton, Chef des IT-Konzerns Atos, ankündigte, die E-Mail bis 2014 abzuschaffen, hielten das viele für reine PR. Wir haben Atos bei der Revolution ein wenig begleitet und das Projekt in der finalen Phase genauer angeschaut. Auch wenn Breton Aufmerksamkeit erregen wollte, denke ich, geht es bei dieser Geschichte gar nicht um Atos. Es geht um uns alle. Es gibt kaum noch klare Regeln, wie man im Büro kommuniziert. An wen wir schreiben, mit wem wir reden – und mit wem nicht. (Obwohl er auf dem gleichen Gang sitzt.) Das sollte sich ändern.

Wir haben ein kleines Experiment gemacht: Für die Entstehung der Titelgeschichte (Seite 32) durften wir intern keine E-Mail schreiben. Wir nutzten Facebook, Telefon, SMS – und vor allem redeten wir miteinander. Das war gut! Ein paar Mal haben wir das Verbot vergessen; aber genau da beginnt die Lösung. Wir haben wieder gemerkt, wozu die E-Mail gut ist: für den schnellen Austausch von Infos zwischen zwei Menschen.

Und jetzt tauchen Sie ein in die Welt der Wirtschaft!

 

Horst von Buttlar

Chefredakteur

 

Inhaltsübersicht auf der nächsten Seite

[Seitenwechsel]

Titel-Thema

Arbeiten ohne E-Mail - Die elektronische Post hat den Büroalltag revolutioniert – und zu einem täglichen Horrortrip gemacht. Immer mehr Unternehmen wollen ihre Kommunikation nun umstellen und führen neue Software ein. Am weitesten fortgeschritten ist der IT-Dienstleister Atos. Die Franzosen wollen 2014 die E-Mail intern ganz abschaffen. Ist das die Zukunft? Mit Software wie Yammer, Jive für Firmen oder What’s App für den privaten Gebrauch gibt es bereits Alternativen.

Top-Themen

Das kann teuer werden - Die Anhänger höherer Steuern wittern Morgenluft: Der Internationale Währungsfonds liefert ihnen mit einer neuen Studie Argumente. Capital hat sich die Untersuchung genauer angesehen und stellt fünf Forderungen auf den Prüfstand.

Das Walldorf-Syndrom - SAP ist eine deutsche IT-Ikone. Und in einer Identitätskrise. Wird der Konzern zu amerikanisch? Capital hat etwas tiefer ins Walldorfer Herz geschaut

Alles auf Lager - Auch Flüchtlingscamps haben ihren eigenen Wirtschaftskreislauf. Ein Besuch im jordanischen Saatari, wo 120.000 syrische Flüchtlinge leben - eine ganze Stadt, die als Folge des Krieges in ihrem Land entstanden ist.

Nach Erhard war da nix - Publizist Bernd Ziesemer über den langen Niedergang des Wirtschaftsministeriums, das lange vom Mythos Ludwig Erhards zehrte. Eine Reihe schwacher Ressortchefs hat das Amt bedeutungslos gemacht. Ein Neuanfang ist überfällig

"Wir werden stranguliert" - Der französische Unternehmer Guillaume de Thomas führt einen Aufstand gegen die Abgabenlast für Arbeitgeber an. "Sozialabgaben sind wie eine Seuche", sagt er im Interview.

Weiße Goldgrube - Salz ist ein ganz alltägliches Gut, das nahezu jeder benutzt. Doch der banale Stoff ist heute zu einem Lifestyle-Produkt geworden. Capital geht der Frage nach, wie es dazu gekommen ist?

Weitere Themen

Ins Netz gegangen - Rip-Dealer sind die Trickbetrüger der Internet-Ära. Nun hat es sogar einen Oligarchen erwischt

Uhren-Special - Die wertbeständigsten und innovativsten Zeitmesser des Jahres.

Digitales Banking - Start-ups und Internetkonzerne treiben den Umbau des Finanzwesens voran

Last-Minute-Sparen - Wie Sie noch kurz vor Jahresende Ihre Finanzplanung optimieren

Interesse? Hier können Sie sich ab dem 21.11. die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.  


Artikel zum Thema
Autor
  • Editorial
Ein Sommer voller Entsetzen

Ein Sommer voller Eilmeldungen und Entsetzen. Wir sollten uns Zeit zum Nachdenken nehmen, damit wir nicht hilflos werden. Von Horst von ButtlarMEHR

  • Editorial
Wenn der Regelbruch zur Regel wird

Die EU gibt sich Regeln, die sie dann bricht. Bei den italienischen Krisen-Banken wird es wohl wieder so sein. Von Horst von ButtlarMEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.