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Die Ladekabel-Hölle

, Georg Dahm

Wir alle brauchen ständig neue Technik. Georg Dahm lotst uns durch den digitalen Dschungel. Diesmal: Ladekabel

Mophie Powerstation
Energieriegel: Der Kopfhörer, das iPhone, die ­Kamera: Alles, was sich den Strom sonst aus einem USB-Ladegerät zieht, kann unterwegs mit handlichen Akkus wie der „Mophie Powerstation“ aufgeladen werden

Wie wir aus der „Göttlichen Komödie“ wissen, ist die Hölle ein exzellent organisierter Servicebetrieb, der individuell auf die Bedürfnisse seiner vielschichtigen Klientel eingeht. Seit Dante Alighieris Ortstermin sind darum vermutlich einige Angebote für neue Zielgruppen dazugekommen.

Zum Beispiel für Ladekabelsünder. Womit ich all die Unseligen in den Elektronikkonzernen meine, die sich tagein, tagaus neue Buchsen und Stecker ausdenken, auf dass jeder Laptop, jedes Tablet ein anderes Netzteil benötige. Oder zumindest einen überteuerten Adapterstecker.

Georg Dahm
Georg Dahm ist Technik- und Wissenschaftsjournalist

Gut, diese Leute haben ja sonst nichts zu tun, seit bei Telefonen USB als Ladestandard etabliert ist und nur Apple gelegentlich mit Steckermutanten erfreut. Wobei ich kein Mitleid habe mit Kollegen, die auf der Suche nach einem Kabel der richtigen Generation durch die Büroflure wanken und dabei ihre entschlafenden iPhones wiegen. Toll war die Akkulaufzeit nie, aber wer seit iOS7 ohne Kabel und Notstromversorgung das Haus verlässt, der geht auch ohne Proviant auf Polarwanderung.

Ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft mir mein kleiner Reserveakku­ den Tag gerettet hat. Die „Mophie­ Powerstation Mini“ schafft eine iPhone-Ladung und kann dann immer noch Kopfhörer oder anderes Kleingerät kurz über Wasser halten. Wer mehr braucht, findet bei Mophie und anderen Herstellern auch fettere Modelle bis hin zu laptoptauglichen Monsterakkus wie dem Powergorilla. Wen der Herr mit größeren Pranken gesegnet hat, dem gefallen vielleicht auch Smartphonehüllen mit eingebautem Akku wie das Mophie Juice Pack. Mir sind diese Stromkondome haptisch unangenehm.

Konkurrierende Standards

Nun hätten wir alle weniger Energienot, wenn sich eine Technik durchsetzen würde, die in Hightechgeräten wie der elektrischen Zahnbürste längst Usus ist: das induktive Laden. Vereinzelte Geräte wie das „Google Nexus 7“ oder das „Nokia Lumia 920“ sind damit schon ausgestattet, sie werden einfach auf eine Station gelegt, in der eine Magnetspule Energie drahtlos überträgt. Und weil solche Spulen auch in Kaffeetresen, Radiowecker und andere Alltagsgegenstände eingebaut werden können, ist eine Welt denkbar, in der man für seine hungrige Elektronik immer eine nahrhafte Liegefläche findet.

Aber keine Idee ist so gut, dass die Industrie sie nicht durch konkurrierende Standards torpedieren würde. In diesem Falle heißen sie Qi, PMA und Rezence, wobei die beiden Letzteren bald kompatibel werden sollen – vielleicht auch, weil bisher nur Qi eine nennenswerte Verbreitung gefunden hat, zum Beispiel in besagten Google- und Nokia-Geräten.

Fairerweise sei erwähnt, dass es an der Technik einiges zu verbessern gibt; zum Beispiel verpufft bei der drahtlosen Übertragung derzeit deutlich mehr Energie als auf dem klassischen Weg – was, wenn man Herstellern wie Texas Instruments glaubt, aber ein lösbares Problem ist.

Das wäre schön. Und was all die Kabel angeht, die dann überflüssig werden: Ich bin sicher, dass man in der Hölle eine passende Verwendung dafür findet.


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