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Die Jagd auf Steven Cohen

, Kathrin Werner

Steven Cohen gilt als größter Hedgefondsmanager aller Zeiten – und als gerissenster. Seit Jahren versucht die US-Börsenaufsicht, ihm auf die Schliche zu kommen.  Jetzt muss er eine Rekordstrafe zahlen.

Hedgefondsmanager Steven Cohen © Getty Images
1992 gründete Cohen fast ausschließlich mit eigenen Mitteln SAC Capital Partners. Im Jahr 2000 begann er Kunst zu sammeln. Cohen ist zum zweiten Mal verheiratet und hat sieben Kinder

In der Zentrale von Steven Cohens Imperium ist es still wie in einer Bibliothek. Hier und da mal ein Rascheln, ein Flüstern, ein Räuspern. Niemand schreit Kursbewegungen, bellt Bestellungen ins Telefon, niemand springt auf, niemand wirft Papier umher. Noch nicht einmal Telefone klingeln; wenn einer anruft, gibt es ein Lichtsignal. Cohen mag keinen Krach. Es ist kühl hier, im Sommer und im Winter nur 20 Grad, die Händler sollen wach bleiben. Cohen und seine Leute tragen graue oder blaue Fleecejacken.

Von jedem Arbeitsplatz im Raum haben sie ihren Chef im Blick, auf einem der vielen Monitore. Die „Steve Cam“, eine Videokamera, ist den ganzen Tag auf ihn gerichtet. Cohens Leute sollen nie vergessen, für wen sie arbeiten.

An der Wall Street ist dieser Raum ein Mythos. Ein ehemaliger Mitarbeiter nennt ihn „Haifischbecken“. Gesehen hat ihn kaum einer, aber alle reden darüber. Es gibt haargenaue Berichte und eine Handvoll Fotos. Reporter haben nur sehr selten Zutritt – und derzeit gar nicht. Hier, in diesem kalten, stillen Raum in Stamford nördlich von New York, regiert Cohen über seinen milliardenschweren Hedgefonds SAC Capital Advisors. Hier hat er seine sagenumwobenen Renditen eingefahren und seine Beinamen erhalten: Genie, Wunderkind, Zauberer.

Und von hier aus muss er zusehen, wie sein Imperium in die Enge getrieben wird. Die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC macht seit Jahren Jagd in der Hedgefonds-Welt. Sie hat einige zur Strecke gebracht. Und langsam, aber sicher hat sie auch Cohen und SAC eingekreist. Ende Juli hat die US-Staatsanwaltschaft SAC wegen Insiderhandels angeklagt. Nicht Cohen selbst, sondern sein Unternehmen, das ist im Strafrecht der USA möglich. Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara nannte den Fall den größten Insiderhandel der Geschichte, SAC sei ein „Magnet für Markttrickser“.

Offenbar waren die Indizien so erdrückend, dass der Hedgefonds bereit war, sein Fehlverhalten einzuräumen und eine Geldbuße in Rekordhöhe zu zahlen. Bharara hatte angeboten, den Fall einzustellen, sollte sich SAC schuldig bekennen und weitere 1,2 Mrd. Dollar Strafe zahlen – zusätzlich zu den 616 Mio. Dollar, die Cohen bereits aus einem früheren Vergleich aufbringen muss. Am Montag willigte der Beschuldigte schließlich ein. Zusätzlich zu der Strafe darf SAC künftig auch keine Kundengelder mehr betreuen. Übrig bleibt Cohens stattliches Vermögen, das vom US-Magazin „Forbes“ auf 9,4 Mrd. Dollar geschätzt wird.

Methoden wie bei der Mafia

Das Zivilverfahren der Börsenaufsicht gegen Cohen läuft weiter. Die Behörde ermittelt allerdings nicht wegen Insiderhandels, sondern weil er zwei Mitarbeiter nicht ausreichend beaufsichtigt haben soll, die womöglich in Insidergeschäfte verstrickt gewesen sind. Staatsanwaltschaft und SEC fällt es schwer, handfeste Belege gegen den 57-Jährigen beizubringen. „Sie gehen mit einer Al-Capone-Taktik vor“, sagt John Coffee von der Columbia Law School. Jahrelang fand die Polizei keine Beweise gegen den berühmten Mafiaboss, 1931 wanderte er wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis.

Die Jagd auf Cohen ist symbolisch, sie steht für eine Zeitenwende an der Wall Street: „Es ist neu, dass die Staatsanwaltschaft sich an die richtig großen Fälle heranwagt“, sagt Solomon L. Wisenberg von der Kanzlei Barnes & Thornburg, einer der bekanntesten Strafverteidiger von Insiderhändlern und Autor des Buchs „White Collar Crime: Securities Fraud“. Seit Bharara im Sommer 2009 angetreten ist, hören die Behörden Verdächtige und Spitzel mit geheimen Mikrofonen ab, das habe alles verändert. „Bharara ist sehr ehrgeizig“, sagt Wisenberg. „Er hat mit den Verkabelungen etwas getan, was niemand an der Wall Street erwartet hat.“

Jahrelang mussten sich die Behörden anhören, dass sie zu zahm seien. Dass sie die Großen nicht zu fassen bekämen. Vorbei. Der 44-jährige Bharara hat 2009 bereits den Hedgefonds Galleon zu Fall gebracht – mit einem verwalteten Vermögen von 7 Mrd. Dollar einer der mächtigsten Player der Branche. Der Gründer Raj Rajaratnam, gebürtiger Sri Lanker, wurde zu elf Jahren Haft verurteilt. Rajat Gupta, der in den Verwaltungsräten von Procter & Gamble und Goldman Sachs gesessen und Firmengeheimnisse an seinen Freund Rajaratnam weitergegeben hatte, wurde zu zwei Jahren Gefängnis und zur Zahlung einer Millionenstrafe verurteilt.

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Haifischbecken von Damien Hurst © Laif
Ein schöner Zufall, dass das Großraumbüro von Steven Cohens Hedgefonds SAC als „Haifischbecken“ bezeichnet wird. Der 57-Jährige besitzt nämlich einen von Damien Hirst in Formaldehyd eingelegten Raubfisch

2012 hat es Bharara auf die „Time Magazine“-Liste der 100 mächtigsten Menschen der Welt geschafft. Für viele Amerikaner ist er ein Held. Bei einem Konzert vor einem Jahr rief Bruce Springsteen: „This is for Preet Bharara!“, bevor er sein Lied begann – Bharara ist Springsteen-Fan. Der Bundesstaatsanwalt, der als Zweijähriger mit seiner Familie aus Indien nach Amerika zog, hat einen Prädikatsabschluss aus Harvard und war danach auf der Columbia Law School. An der Wall Street spekulieren sie, dass er mal in die Politik will.

Cohen wäre Bhararas größter Fang. „Er will keine Niederlage riskieren“, sagt Wisenberg. Darum gehe er auf Nummer sicher und klage SAC an, nicht Cohen selbst. „Gegen die Firma wird Bharara nicht verlieren. Die Firma ist totes Fleisch“, glaubt Wisenberg. Bharara wolle die Hedgefonds-Welt ändern, es gehe ihm darum, ein Warnsignal zu senden. „Viele Hedgefonds haben sich ähnlich verhalten wie SAC. Bharara will zeigen, dass sie sich nicht alles erlauben können.“

Nächtelanges Pokerspiel

Gegen den SAC-Chef haben es die Staatsanwälte schwer. Sein spektakulärer Aufstieg, glauben sie, kann nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Cohen wächst in einer Mittelklassefamilie im New Yorker Vorort Great Neck auf Long Island auf, als drittes von acht Kindern. Im Sommer jobbt er im Supermarkt, für 1,85 Dollar die Stunde. In der neunten Klasse entdeckt er seine erste, große Leidenschaft: Poker. Er spielt die Nächte durch, verdient oft Hunderte Dollar pro Nacht. Ums Geld geht es ihm nicht, es geht um Adrenalin, Wettkampf, das Abwägen von Risiko und Chance, sagt er einmal dem US-Magazin „Vanity Fair“: „Ich war immer schon unempfindlich gegenüber Geld. Es war einfach immer da. Ich habe nie darüber nachgedacht. Nicht wirklich.“ Adrenalin, Wettkampf, Risiko und Chance seien es auch, die ihn am Börsenhandel interessierten, sagt er. „Ich denke an das Risiko. Ich denke an das Geschäft. Ich denke nicht ans Geld.“

Cohen studiert Wirtschaft an der University of Pennsylvania. Aber der Unterricht ist ihm zu langweilig. Nachts spielt er Poker, tagsüber drückt er sich auf dem Bürgersteig vor dem Büro der Bank Merrill Lynch in Philadelphia herum und schaut den grünen Bändern zu, die das Auf und Ab der Aktien an der New York Stock Exchange zeigen. Er sieht Muster in den Zahlen, die auf andere willkürlich wirken. Steigen sie, fallen sie? „Ich habe da gestanden und gestarrt“, sagt er. „Nach einer Weile, nicht gleich von Anfang an, habe ich gemerkt, dass ich ziemlich gut darin bin, zu schätzen, in welche Richtung die Zahlen gehen.“

Irgendwann lassen ihn die Banker herein, er stellt Fragen, beginnt ein bisschen zu handeln. Nach der Uni fängt er bei dem kleinen Handelshaus Gruntal an der Wall Street Nr. 14 an, arbeitet sich hoch, wird zum Star des traditionsreichen Ladens, wird reich.

1992 macht er sich selbstständig, mit 25 Mio. Dollar fast ausschließlich aus eigenem Vermögen gründet er SAC – das Kürzel steht für Steven A. Cohen – Capital Advisors. Er zieht ein paar Stockwerke über Gruntal ein, stellt eine Handvoll Leute an. Im ersten Jahr macht er 17 Prozent Rendite, im zweiten gigantische 51 Prozent. Jeder will Geld bei ihm anlegen – obwohl er mit drei Prozent Bearbeitungsgebühr und 50 Prozent vom Gewinn mehr für sich behält als alle anderen Hedgefonds. 1998 und 1999 erwirtschaftet er mit dem Dotcom-Boom Renditen von 70 Prozent, 2000 wettet er gegen die gleichen Aktien und kommt auf die gleichen Gewinne.

Zu Hochzeiten verwaltet SAC mit 1000 Mitarbeitern rund 15 Mrd. Dollar, Cohens Transaktionen machen drei Prozent des Handels an der New York Stock Exchange aus. Im Schnitt schafft seine Firma seit Gründung Renditen von 30 Prozent pro Jahr – sie lassen andere Hedgefondsmanager alt aussehen.

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Staatsanwalt Preet Bahrara © Reuters
Preet Bahrara: Der Sohn einer indischen Einwandererfamilie konnte nach seinem Amtsantritt als Staatsanwalt für den Southern District in New York 2009 viele Erfolge verbuchen.

In den 90er-Jahren ändert er seine Investmentstrategie. Hörten seine Manager bis dahin auf ihren Instinkt und suchten Muster im Auf und Ab der Kurse, wandelt sich SAC nun zu einem „informationsbasierten Investor“. Cohen stellt Hunderte Leute ein, die sich in einer bestimmten Branche besonders gut auskennen, die Kontakte haben, auf Konferenzen gehen, mit Managern Bier trinken, vielleicht selbst in einem IT-Unternehmen oder einem Pharmakonzern gearbeitet haben. „Edge“ tauft Cohen die Strategie. Wer Edge beherrscht, verdient bei Cohen Millionen pro Jahr. Wer nicht, fliegt ganz schnell raus. „Es ist unglaublich stressig, die Arbeitszeiten sind noch länger als sonst überall, auch am Wochenende“, erzählt ein Wall-Street-Banker über die Arbeit bei SAC. Die Staatsanwaltschaft sagt, dass Cohens Druck die Mitarbeiter zu Insidergeschäften verleite. Die Frage ist nur: Wo genau überschreitet Edge die Grenze von schlauer Strategie zu Insiderhandel?

Wie Cohens EDGE-Strategie funktionierte (bitte klicken)

Bei der Jagd auf Cohen geht als Erstes Wesley Wang in die Falle. Bei Hedgefonds mitmachen darf der Berater hauptsächlich, weil er fließend Chinesisch spricht, berichtet „Vanity Fair“. Das Magazin hat den Fall akribisch aufgearbeitet. Wang hat einen Nachbarn, der bei Cisco arbeitet, Wang gibt dessen Infos an seine Arbeitgeber weiter.

Als das FBI ihm auf die Schliche kommt, packt Wang aus und belastet einige seiner ehemaligen Chefs. Einer davon wird wiederum FBI-Informant, in Gesprächen mit Kontaktpersonen ist er verwanzt. Dank ihm fliegt ein ganzes Insiderhandelnetzwerk auf, vor allem um den inzwischen untergegangenen Hedgefonds Galleon. Und er führt das FBI zu SAC. Ein Händler dort hat sich vorab Quartalszahlen des Computerbauers Dell besorgt – und mit diesem Wissen massive Gewinne am Aktienmarkt gemacht; sein Chef Michael Steinberg wusste darüber Bescheid. Der Prozess gegen ihn beginnt Mitte November.

Außerdem fliegen drei beste Kumpels auf, die jahrelang Insiderinformationen ausgetauscht haben, zwei von ihnen arbeiten bei SAC. In ihren Kalendern markierten sie ihre Treffen als „flotte Dreier“. Ein Unternehmensberater schickt den Freunden geheime Informationen zu Cisco an die E-Mail-Adresse juicylucy_xxx@yahoo.com. Einer Beraterin lassen sie zum Dank für gute Tipps 10.000 Dollar im Monat zukommen und auch mal zwölf Hummer.

Das Ende der Dreierbande

Als immer mehr Insiderringe auffliegen, bekommen die drei Panik. In der Nacht vom 20. November 2010 zerstört einer mit einer Zange sämtliche Computer, auf denen verfängliche Daten gespeichert wurden, und verteilt die Trümmer in Plastiktüten über die Mülltonnen New Yorks. Zu spät. Im FBI-Verhör wird einer aus der Dreierbande schwach, lässt sich verkabeln und zeichnet die entlarvenden Gespräche mit den anderen auf. Insiderhandel ist oft auch eine Geschichte von Freundschaft und Verrat.

Und dann ist da noch Mathew Martoma. Der Biomediziner und SAC-Manager hat beste Kontakte in die Pharmawelt. Sidney Gilman, ein Professor für Neurologie an der University of Michigan, schickt ihm die Ergebnisse einer Studie zu einem neuen Alzheimer-Medikament der Pharmakonzerne Elan und Wyeth zwölf Tage vor deren Veröffentlichung zu – gegen Bezahlung. Der Alzheimer-Spezialist Joel Ross aus New Jersey, ein Star der Branche, hat Martoma mutmaßlich ebenfalls Informationen zugeschustert.

276 Mio. Dollar soll SAC im Juli 2008 laut US-Behörden mit den illegalen Informationen verdient haben. Martoma erhält von Cohen 9,4 Mio. Dollar als Bonus. Als das FBI ihn auf dem Kunstrasen vor seinem Haus in Florida stellt, fällt er in Ohnmacht. Die Behörden hoffen, dass er gegen Cohen aussagen wird. Der Prozess gegen ihn soll im Januar beginnen.

Es gibt nur noch wenige, die zu dem SAC-Chef halten. Für die Öffentlichkeit ist Cohen das Gesicht der Gier. Am Wochenende nach der Anklage schmiss er eine Riesenparty in seiner Sommerresidenz in den Hamptons (zehn Zimmer, Strandblick, Wert: 60 Mio. Dollar). Angeblich hat er allein 2000 Dollar für frischen Thunfisch ausgegeben. Cohen prasste, als die Amerikaner sich von ihm ein Zeichen der Demut und Reue wünschten.

In der Finanzszene hat der Milliardär viele Neider – und Feinde. Nach der Anklage von SAC schaltet Patrick Byrne, der Chef des Onlinehändlers Overstock.com, eine ganzseitige Anzeige im „Wall Street Journal“, in der er seinem Erzfeind „Stevie“ ironisch zur Anklage gratuliert. Ein „Sith-Lord“ sei Cohen, sagt Byrne in Anspielung auf die finsteren Anführer aus der Filmreihe „Star Wars“.

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Aus Capital 11/2013

Viele haben immer noch großen Respekt vor Cohens Trading-Genie, seinem legendären Instinkt. Das intellektuelle Schwergewicht von Starinvestoren wie George Soros spricht ihm aber kaum einer zu. Cohen ist keiner dieser Investoren, die man zur Lage der Weltwirtschaft interviewt. Er handelt schnell und kurzfristig – in der Hierarchie der Wall Street macht ihn das zum Trader zweiter Klasse. Der SAC-Chef redet in kurzen, abgehackten Sätzen, drückt sich gerne derb aus: „Do you even know how to do this fucking job?“, soll er seine Mitarbeiter schon mal anschreien.

Es kursieren bizarre Geschichten über den Scheidungskrieg mit seiner ersten Ehefrau. Seine zweite hat er 1992 über einen Dating-Service kennengelernt. Bis heute gehört er nicht so richtig zum New Yorker Geldadel. „Die Wall Street entwickelt Mythen über die Leute, und dabei bleibt es dann auch, sogar wenn man sich verändert“, klagt Cohen. „Ich meine, sie nennen mich noch immer Stevie.“

Vieles, was Stevie so macht, riecht für die New Yorker Gesellschaft zu neureich. Er besitzt unter anderem ein Penthouse im Bloomberg-Hochhaus in Manhattan, Wert: 115 Mio. Dollar. Wenn er sich nicht in seinem Sommerhaus in den Hamptons aufhält, residiert er mit seiner Familie in einer riesigen Villa im Nobelvorort Greenwich. Den Wert seiner Kunstsammlung schätzen Experten auf 750 Mio. Dollar. In seinen Häusern und Büros hängen Werke von Warhol, Picasso, Cézanne, Francis Bacon, Jeff Koons und Gerhard Richter. Mit seinen Kunstkäufen wolle Cohen doch nur Intellekt vortäuschen, lästern manche. All die Literatur zu moderner Kunst in seiner Bibliothek habe er nie gelesen, gibt er zu.

Nichts ist gefährlicher als Unsicherheit

Nun kämpft Cohen ums Überleben – um das seiner Firma und um sein eigenes. Er hat Aktien verkauft, sogar von Kunstwerken trennt er sich: Mitte Oktober wurde bekannt, dass er zwei Bilder von Andy Warhol und ein Werk von Gerhard Richter bei Sotheby’s versteigern lässt. Und er plant offenbar, noch mehr zu verkaufen.

Indem er sich auf den Deal mit der Staatsanwaltschaft einlässt, vermeidet er das Risiko, am Ende womöglich eine noch höhere Strafe zahlen zu müssen. Am liebsten wäre es ihm wohl, wenn mit dem Vergleich auch die Zivilklage der Finanzaufsicht gegen ihn persönlich zu den Akten gelegt würde. Nichts in seiner Branche ist gefährlicher als Unsicherheit.

Staatsanwalt Bharara hat bei seiner Jagd auf Insiderhändler schon 83 Trader verhaftet. Sechs ehemalige SAC-Händler haben sich schuldig bekannt. „Die paar Männer, die zugaben, das Gesetz gebrochen zu haben, spiegeln nicht die Ehrlichkeit, Integrität und Charakterstärke der Tausende Männer und Frauen, die in den vergangenen 21 Jahren für SAC gearbeitet haben“, verteidigt sich ein Firmensprecher. „Wenn so viele Leute von einem einzigen Hedgefonds Insiderhandel betreiben, ist das kein Zufall“, sagt Bharara. „Es ist die vorhersehbare Folge eines allgegenwärtigen institutionellen Versagens.“

Die Anleger haben ihrem einstigen Liebling das Vertrauen entzogen. Praktisch alle haben ihr Geld zurückgefordert. Cohen kommt dennoch jeden Tag zur Arbeit – ahnend, dass in seinem kalten, bibliotheksstillen Haifischbecken womöglich bald nur noch sein eigenes Vermögen verwaltet wird.

Die Reportage stammt aus der aktuellen Capital. Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten. 


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