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  • Interview

„Gefahr eines Öl‑Engpasses ist real“

, Thomas Steinmann

Rohstoff-Analyst David Wech über die neue Strategie der OPEC, die Zukunft der Schieferöl-Produzenten und die Folgen niedriger Investitionsbudgets der Konzerne

Schieferöl-Förderung in Texas © Brent Humphreys
Frackingindustrie in Texas: Die Rückkehr der USA als Ölsupermacht verändert den Markt

David Wech ist Geschäftsführer der Analyse- und Beratungsfirma JBC Energy in Wien. Das Unternehmen beobachtet die globalen Ölmärkte und die OPEC, die ihren Sitz in Wien hat.David Wech ist Geschäftsführer der Analyse- und Beratungsfirma JBC Energy in Wien. Das Unternehmen beobachtet die globalen Ölmärkte und die OPEC, die ihren Sitz in Wien hat.


Die massive Ausweitung der US-Förderung hat den globalen Ölmarkt verändert. Hat die OPEC ihre Macht verloren?

Die OPEC ist eine Organisation, die teilweise von der Mythenbildung lebt. Entscheidend für den Markt ist oft schon, wie die OPEC und ihre Ziele wahrgenommen werden. Auch vor diesem Hintergrund war die klare Entscheidung im November, auf eine Förderkürzung zu verzichten und sich nicht gegen den Preisverfall zu stemmen, sehr ungewöhnlich.

Einige Analysten sind sogar der Ansicht, dass sich das Kartell mit dem Verzicht auf die Förderkürzung selbst aufgelöst hat...

Diese Sichtweise teile ich nicht. Dass sich die OPEC bei ihrem letzten Treffen im November gegen eine Drosselung ihrer Ölproduktion entschieden hat, heißt ja nicht, dass sie auch in Zukunft nichts macht. Die Politik der einzelnen OPEC-Staaten ist immer noch von großer Relevanz für den Ölmarkt – allen voran die des weltgrößten Exporteurs Saudi-Arabien. Die Entscheidung, ob der Kurswechsel gut oder schlecht für die OPEC war, steht noch aus.

Ziel der neuen OPEC-Strategie ist es, teurere Wettbewerber wie die US-Frackingindustrie aus dem Markt zu drängen. Geht dieses Kalkül auf?

Wenn der Ölpreis so niedrig bleibt, werden sicherlich einige amerikanische Schieferöl-Produzenten aus dem Markt fallen. Ich erwarte eine deutliche Konsolidierung der Branche. Eine große Zahl an Projekten dürfte erst einmal verschoben werden. Doch die Schieferöl-Förderung hat den Vorteil, dass sie schnell wieder hochgefahren werden kann, wenn sich der Preis erholt. Die Produktion ist viel flexibler als bei konventionellen Großprojekten, weil es in den Frackinggebieten tausende Bohrlöcher gibt. Beim Schieferöl sind die Kosten pro Bohrloch deutlich geringer. Deshalb ist auch das Risiko deutlich kleiner.

Globale Nachfrage zieht deutlich an

Welche langfristigen Folgen hat Preissturz für den Ölmarkt?

Wegen des niedrigen Ölpreises und der Unsicherheit, wie es mit der Schieferöl-Förderung weitergeht, könnten auch neue konventionelle Projekte auf Eis gelegt werden. Alle großen Ölkonzerne haben ja schon angekündigt, dass sie ihre Investitionen um mehrere Milliarden kürzen wollen. Tatsächlich sind neue konventionelle Großprojekte allerdings nicht überflüssig geworden – auch nicht durch den Fracking-Boom. Noch dazu, wo die globale Nachfrage durch die niedrigeren Preise deutlich anzieht.

Was heißt das für das Ölangebot?

Es besteht die reale Gefahr, dass es in drei bis fünf Jahren einen Engpass in der Ölversorgung gibt. Um das zu verhindern, sollten die Konzerne auch in der jetzigen Phase in neue Projekte investieren. Andernfalls könnten sie dazu beitragen das Ende des Ölzeitalters zu beschleunigen.

Capital 05/2015

Lesen Sie in der aktuellen Capital „Die Ölspur“. Ein Team von Reportern hat die Folgen des neuen Ölzeitalters analysiert - für die Schieferöl-Produzenten in den USA und die alten Ölmächte in der OPEC.

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