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Die Fussball AG

, Thomas Steinmann

DFB-Manager Bierhoff will bei der Fußball-WM auch wirtschaftlich erfolgreich sein. Einen Überschuss im WM-Sonderetat gibt es erst ab dem Viertefinale.

Wenn die Fußball-Nationalmannschaft am 7. Juni nach Brasilien fliegt, ist das Ziel klar: Das Team will Weltmeister werden und den Pokal aus 18-karätigem Gold mit nach Hause nehmen. Oliver Bierhoff, der Manager des Teams, hat noch ein weiteres Ziel. „Wirtschaftlich ist es immer die Anforderung, einen Gewinn zu machen“, sagte Bierhoff im Video-Interview mit Capital. Wegen der Anlaufkosten für die WM-Vorbereitung und die Teamquartiere sei es nicht leicht, einen Überschuss zu erwirtschaften. „Wir haben immer den Break Even beim Viertel-, Halbfinale, je nachdem, wie die Kosten ausfallen“, sagte Bierhoff.

Das Projekt WM-Titel ist für den Deutschen Fußball-Bund eine Millioneninvestition. Trainingslager, Unterkünfte, Flüge, Tagespauschalen für Fitnesstrainer, Scouts und Köche, Prämien für Spieler und Trainer, Tickets für die Angehörigen – alle Kosten werden aus einem Sonderhaushalt zur WM finanziert. Schon die erste Reise nach Brasilien im Herbst 2012, bei der sich Bierhoff und seine Mitarbeiter nach möglichen Teamquartieren umgeschaut haben, wird aus dem WM-Etat bezahlt. Während des Turniers zählen 58 Personen zum unmittelbaren DFB-Team im Basislager Campo Bahia, darunter 31 Mitarbeiter aus dem technischen Stab. Für die Weltmeisterschaft bewegt der Verband etwa zwölf Tonnen Material nach Südamerika.

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„Was unsere Organisation angeht, ist das die aufwendigste WM, die wir je hatten“, sagte Bierhoff, den Capital für eine Reportage in der aktuellen Ausgabe mehr als ein halbes Jahr bei der WM-Vorbereitung begleitet hat. Bis zum Achtelfinale sei das Turnier für den Verband „ein Verlustgeschäft“. Bei der Weltmeisterschaft vor vier Jahren, als Deutschland Dritter wurde, lag der Gewinn bei 3,8 Mio. Euro. Überschüsse bei Turnieren werden zwischen dem DFB und den deutschen Proficlubs geteilt.

Sieben Spalten hat der WM-Haushaltsplan des DFB, für jedes sportliche Szenario eine: vom Aus in der Vorrunde bis zum Titelgewinn. Wie hoch die Einnahmen für den Verband ausfallen, hängt maßgeblich vom Erfolg der Mannschaft im Turnier und den entsprechenden Prämien der FIFA ab. Bei einem Aus in der Vorrunde zahlt der Weltverband 8 Mio. Euro, für das Erreichen des Viertelfinals 14 Mio. Dollar. Der Weltmeister kassiert 35 Mio. Dollar. Jeder der 32 teilnehmenden Verbände erhält von der FIFA zudem einen Kostenzuschuss für Unterkunft und Flüge in Höhe von 1,5 Mio. Dollar. Insgesamt schüttet der Weltverband 358 Mio. Dollar an Prämien an die WM-Teams aus.

Push für die Vermarktung der Nationalmannschaft

Auch im Fall des Titelgewinns soll nach den Planungen des DFB unter dem Strich ein Gewinn stehen – obwohl dann alleine 6,9 Mio. Euro Prämien für die 23 Spieler fällig werden. „Die Richtschnur ist: Die Ausgaben dürfen nicht über den maximal möglichen Einnahmen liegen“, sagte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock. Beim aktuellen Wechselkurs des Dollar läge die Obergrenze damit bei 25,5 Mio. Euro. Nach Informationen von Capital kalkuliert der DFB für den WM-Titel mit Kosten von bis zu 22 Mio. Euro.

Doch für den DFB ist die Weltmeisterschaft nicht nur ein Investment. Von dem Großevent verspricht sich Teammanager Bierhoff auch einen weiteren Push für die Vermarktung der Nationalmannschaft, insbesondere im Ausland. Die Hälfte der DFB-Trikots von Adidas werde mittlerweile im Ausland verkauft, sagte Bierhoff. „Die Menschen im Ausland interessieren Stars. Und wir müssen diese Stars schaffen.“ Vor allem in den USA, in Südamerika und Asien verzeichnet Adidas eine wachsende Nachfrage nach dem DFB-Team. Der Sportartikelhersteller rechnet mit einem Rekordabsatz beim Trikotverkauf. Bei der WM vor vier Jahren waren es 1,3 Millionen Stück.

Capital 06/2014
Die neue Capital, ab 22. Mai am Kiosk

Luft nach oben für den DFB sieht Bierhoff auch bei den Sponsoringeinnahmen, die derzeit bei knapp 60 Mio. Euro im Jahr liegen. „Viele Verträge laufen 2018 aus. Das ist auch mit einer WM verbunden. Insofern hat man da neue Möglichkeiten“, sagte er. Zu den auslaufenden Verträgen gehören auch die der beiden Großsponsoren Adidas und Mercedes-Benz, die zusammen für mehr als die Hälfte der Einnahmen stehen.

Insgesamt spielt die DFB-Auswahl im Jahr mehr als 100 Mio. Euro aus Sponsoringeinnahmen, TV-Rechten und Ticketerlösen ein. Das „Produkt“ Nationalmannschaft, wie der Manager das Team manchmal nennt, trägt damit maßgeblich zur Finanzierung des gemeinnützigen Verbands bei. „Die Nationalmannschaft ist in hohem Maße der Treiber für unsere Erlöse. Der Großteil des Geldes wird oben verdient“, sagte Generalsekretär Sandrock im Capital-Interview.

Pro Spiel seiner Vorzeige-Auswahl kalkuliert der DFB mit Einnahmen von bis zu 8,5 Mio. Euro – je nach Größe des Stadions. Der Gewinn liegt bei mindestens 4 Mio. Euro. Dank der Einnahmen aus der Vermarktung des Nationalteams und des DFB-Pokals kann der Verband jährlich Dutzende Millionen Euro in den Amateurfußball, die Talentförderung und sein soziales Engagement pumpen.

Die Reportage über Oliver Bierhoff und das Unternehmen Nationalmannschaft lesen Sie in der neuen Capital. Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.

Foto: © Werner Amann


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