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Leading by Löw

, Thomas Steinmann, Martin Kaelble

Hans-Dieter Hermann, Psychologe der Nationalmannschaft, über den Führungsstil des Bundestrainers, die Bedeutung der zweiten Reihe - und warum Joachim Löw ein Vorbild für Manager ist.

Bundestrainer Joachim Löw legt in der Nationalmannschaft wert auf flache Hierarchien © Getty Images
Bundestrainer Joachim Löw legt in der Nationalmannschaft wert auf flache Hierarchien

DFB-Teampsychologe Hans-Dieter Hermann sieht Bundestrainer Joachim Löw als Vorbild für Führungskräfte in der Wirtschaft. Löw lege Wert darauf, im internen Umgang und in der Kommunikation nach außen herauszustreichen, dass hinter Erfolgen die Leistung eines Teams stecke, sagte Hermann im Capital-Interview. Bei der WM in Brasilien habe man den Eindruck gehabt, „dass wirklich alle 23 Spieler des Kaders Weltmeister geworden sind“.

„Nur wenn jeder weiß, dass er einen wichtigen Beitrag für das Team leisten kann und leistet, kann man zusammen Erfolg haben“, sagte Hermann. Er verwies darauf, dass Löw während der WM in Pressekonferenzen berichtet habe, wie sich die Spieler im Training selbst Varianten für Ecken und Freistöße ausgedacht hätten, die dann zu Toren geführt hätten. „Er hat die Spieler ermuntert, eigenständig zu handeln, ihr Wissen genutzt und ihnen damit Wertschätzung entgegengebracht“, sagte Hermann.

Hermann arbeitet seit 2004 als Team-Psychologe der Nationalmannschaft. Neben anderen Profisportlern berät er auch Topmanager und Dax-Konzerne in Fragen der Personalführung. In dem Interview für die aktuelle Capital-Titelgeschichte über Motivation im Job sprach Hermann über Parallelen zwischen dem Coaching von Topsportlern und Führungskräften in der Wirtschaft.

Die wichtigste Voraussetzung für Leistung im Team sei die Kommunikation auf Augenhöhe, sagte er. „Jeder in der Gruppe muss das Gefühl haben, ein respektierter Teil des Teams zu sein – nicht nur die Spitzenkräfte, sondern auch jene, die nicht vorn in der ersten Reihe stehen.“ Für Ersatzspieler im Fußball wie auch für Mitarbeiter in der zweiten Reihe in Unternehmen gelte: Wenn sie gefordert seien, wichtige Kollegen zu vertreten, funktioniere dies nur, wenn die Führungskräfte ihnen vorher das Selbstbewusstsein vermittelt hätten, dass sie ein bedeutsamer Teil des Teams sind.

Selbst der Busfahrer ist wichtig

© Ullstein Bild
Hans-Dieter Hermann ist seit 2004 Team-Psychologe der Nationalmannschaft

Auf die Frage, wie wichtig Mitarbeiter aus der zweiten Reihe für den Erfolg des Teams seien, berichtete Hermann von Löws Vorgänger Jürgen Klinsmann. „Klinsmann hat einmal gesagt: Für ihn ist sogar wichtig, was für ein Gesicht der Busfahrer macht, wenn die Nationalspieler vor einem bedeutenden Match in den Mannschaftsbus einsteigen.“ Nur wenn jeder wisse, dass er einen wichtigen Beitrag für das Team leiste, könne man zusammen Erfolg haben. 

Viele Angestellte in Unternehmen kämen im Laufe ihres Berufslebens allerdings an einen Punkt, an dem sie sich nach der Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit fragten. „Das Ziel, in einem Jahr zehn Prozent mehr Umsatz zu machen, reicht ihnen nicht mehr, um sich zu motivieren“, sagte Hermann. Mitarbeiter, die sich jeden Tag über das normal Maß hinaus engagieren sollen, müssten das Gefühl haben, etwas mitgestalten zu können. „Sie wollen in den Abläufen und der Zusammenarbeit innerhalb ihrer Abteilung ein sinnvolles Ziel erkennen, das über die reine Gewinnmaximierung hinausgeht“, sagte Hermann.

 

Das ganze Interview mit Hans-Dieter Hermann lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Capital. Hier können Sie sich ab dem 21. Januar die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.


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