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Der Untergang der Siemens-Handys

, Capital-Redaktion

Die Wirtschaft ist voller Skandale, Kämpfe und Meilensteine. Capital erinnert an die besten. Diesmal: BenQ - und raus bist du

Klaus Kleinfeld und ein Siemens-Handy © Illustration: Jindrich Novotny / Foto: Corbis
Unter Klaus Kleinfeld verkaufte Siemens seine Handy-Sparte an BenQ

Nur einmal triumphierte Klaus Kleinfeld über Nokia: Als der designierte Siemens-Chef Ende 2004 gefragt wurde, was er gegen die überlegenen Produkte des finnischen Marktführers tun wolle, schnappte er sich das Handy des Reporters und versenkte es in einem Glas Wasser. Plumps – Nokia kaputt!

Anders war der Konkurrenz aber auch da schon nicht mehr beizukommen. Im schnelllebigen Boomgeschäft mit den Mobiltelefonen hatte Siemens schlicht den Anschluss verloren. Weltweit entdeckten die Massen das Handy als prestigeträchtiges Alleskönner-Spielzeug. Doch der Münchner Konzern hatte nur biedere Standardgeräte – garantiert wasserdicht, garantiert glamourfrei. Siemens hatte sich verzettelt, verlor Marktanteile und Geld, obwohl die Produktionskosten sogar niedriger waren als bei der Konkurrenz.

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Nach dem Amtsantritt fackelte Kleinfeld nicht lange. Schon Mitte 2005 stieß er die Krisensparte ab und legte einem smarten asiatischen Aufsteiger sogar 420 Mio. Euro drauf, damit der das Sorgenkind würde päppeln können. Rund 3 000 Siemens-Mobilfunker gehörten nun zu BenQ, dem Digital-Konglomerat des 52-jährigen Taiwanesen Kuen-Yao Lee. Der ehrgeizige Unternehmer setzte auf digitalen Spaß und Lifestyle: „BenQ“ sollte für „Bringing Enjoyment and Quality to Life“ stehen.

Die neuen Eigentümer und der von Siemens mit zu BenQ gewechselte Handy-Chef Clemens Joos legten los mit preisgekrönten neuen Designs und einer coolen Produktpräsentation in der Berliner U-Bahn. Für die Wende reichte das trotzdem nicht: Die Verluste türmten sich, der Marktanteil schrumpfte weiter. Schon im September 2006, nur ein Jahr nach dem Einstieg, kappte BenQ die Verbindung und meldete die Insolvenz der deutschen Tochter an.

Schnell kam der Verdacht auf, die Taiwanesen hätten die Siemens-Sparte ohnehin nur aussaugen wollen. Oder Kleinfeld habe nur eine Möglichkeit gesucht, die Mobiltelefone möglichst schnell zu entsorgen.

Mit der Schließung des Werks in Kamp-Lintfort endete die Geschichte deutscher Handys. Nokia produzierte noch bis 2008 in Bochum, dann machten die Finnen auch dort zu – für den Weltmarktführer der Beginn des eigenen Abstiegs: Er wurde vom iPhone und den Koreanern überrollt, dann von Microsoft gekauft. Aktuell ist zwar ein neues Smartphone mit Namen Nokia geplant – es soll aber frühestens zu Weihnachten 2016 kommen.

Hauptperson

Kuen-Yao Lee, genannt „K.Y.“, stieg nach dem Studium der Elektrotechnik in Taiwan bis zum Vizepräsidenten des Acer-Konzerns auf. Er führte dessen Sparte für Peripheriegeräte, machte sich 2001 damit selbstständig und gab der Firma den Kunstnamen BenQ. Die wiederholt umgebaute internationale Gruppe besteht heute aus 15 Unternehmen, die zum Teil als Zulieferer arbeiten. Unter der Marke BenQ werden vor allem Projektoren und Monitore verkauft – seit 2013 aber auch wieder Smartphones.

 

Western von Gestern erscheint jeden Monat in Capital. Weitere Folgen: Falke demütigt Kunert, Ampere gegen Eon, Mein Rolls, Dein Royce, Boeings Wahnsinnsvogel 747, Der Nixdorf-Absturz und Übernahmekampf zwischen Pirelli und Continental

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