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Der Silvester-Effekt

, Hayek/Keynes

Jahrzehntelang stritten Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes über den Konflikt zwischen Staat und Markt. Diesmal geht es um die Frage, ob Silvester gut ist für die Konjunktur?

Hayek und Keynes © Jindrich Novotny
Streithähne: Friedrich August von Hayek (l.) und John Maynard Keynes

Sehr geehrter Herr Keynes,
wieder geht ein Jahr vorüber – und mir scheint, die Menschheit ist -keineswegs klüger geworden. Immer noch werden Begriffe wie Freiheit und Gerechtigkeit falsch verstanden, missbraucht und ins Gegenteil verkehrt. Mir ist wahrlich nicht zum Feiern zumute.
Nachdenklich – Ihr F. A. Hayek

Och Hayek, alter Griesgram,
so schlimm ist es doch gar nicht. Freuen Sie sich wenigstens mit mir an den herrlichen Feuerwerksspektakeln, welche die Erde am Jahresende erhellen werden. Rote, blaue, grüne, gelbe Lichtgarben, die nur eines symbolisieren: den Spaß am Leben und seiner verschwenderischen Pracht!
Erleuchtet – John Maynard

Capital 01/2016
Die aktuelle Capital

Sehr geehrter Herr Keynes,
Sie haben mir das Stichwort geliefert: Verschwenderisch ist es in der Tat, wenn Stadtverwaltungen und Regierungen in vielen Städten des Globus Abermillionen dafür aufwenden, bunte Papierröllchen mit Schießpulver darin in den Himmel zu jagen. Gefeiert wird hier nicht das Leben, sondern die Bürokratie, die sich ein feuriges Denkmal ihrer eigenen sinnentleerten Ausgaben setzt. Und sei es auch in Rot, Blau, Grün und Gelb – ich sehe da vor allem rot.
Ihr F. A. Hayek

Hayek,
die paar öffentlichen Feuerwerke können doch nicht ernsthaft Ihren Zorn erregen. Stattdessen erleben wir das Musterbeispiel eines Multiplikator-Effekts: Eine Stadt veranstaltet ein fröhliches Fest, und private Bürger schließen sich in viel größerem Ausmaß mit eigenen Böllern an. Die Ausgaben dafür kommen nicht nur dem Einzelhandel zugute, sondern auch den Lieferanten in meist ärmeren Staaten. Das Ergebnis ist eine sehenswerte Jahresendkonjunktur, die alle konsumfreudig ins neue Jahr gehen lässt.
John

Sehr geehrter Herr Keynes,
dieser Unsinn erinnert mich an eine Idee von Ihnen, in der das ganze Elend Ihres Denkens enthalten ist. Sie haben ja einst vorgeschlagen, Flaschen mit Banknoten zu füllen, diese zu vergraben und dann Arbeiter dafür zu bezahlen, dass sie sie wieder ausgraben. Auf diese Weise wollten Sie die Arbeitslosigkeit beseitigen. Wahnsinn. Anschaulicher lässt sich Fehlallokation kaum beschreiben.
Ihr F. A. Hayek

Mein lieber Hayek,
ich danke Ihnen, dass Sie endlich einmal mich zitieren, und noch mehr danke ich Ihnen, das Sie mir Gelegenheit geben, dieses Zitat zu vervollständigen. Ich sagte nämlich auch: „Es wäre sicherlich sinnvoller, Häuser und ähnliches zu bauen. Wenn das aber auf politische und praktische Hürden stößt, wäre das oben genannte besser als nichts.“ Sie sehen, ich bin da flexibel. Und mal ehrlich: Bevor wir Flaschen vergraben, gönnen wir uns doch lieber ein schönes Feuerwerk, oder?
Ein frohes neues Jahr wünscht – Keynes

 

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