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Der Server auf dem Schreibtisch

, Georg Dahm

Wir alle brauchen ständig neue Technik. Georg Dahm lotst uns durch den digitalen Dschungel. Diesmal: Ein Server daheim

Der Server © Protonet
Der Server "Maya" der Firma Protonet aus Hamburg
© Jindrich Novotny
Georg Dahm ist Technik- und ­Wissenschaftsjournalist.

Der Kölner ist ein weiser Mensch, sein gelassenes Wesen zeigt sich in Lebensmaximen wie „Et kütt wie et kütt“ und „Man muss auch jönne könne“. Gerade Letzteres ist ja nicht immer leicht, wenn man, nur als Beispiel, als Firmengründer gerade Haus, Hof und nicht lebenswichtige Organe an seine Bank verpfändet, während andere Start-ups an einem Tag 2,5 Mio. Euro Risikokapital per Crowdfunding einwerben.
Erzielt hat diesen Rekord die Hamburger Firma Protonet. Deren Geschäftsmodell wirkt auf den ersten Blick anachronistisch: Sie baut Personal Server, mit denen Selbstständige und Kleinfirmen Clouddienste ersetzen können. Der Server steht im Büro, Angestellte oder Kunden können von überall auf der Welt auf seine Daten zugreifen. Projekte lassen sich online managen, ohne dass Dokumente bei Google oder ähnlichen NSA-anfälligen Dienstleistern hinterlegt werden müssten. Chatforen auf dem Server ersetzen E-Mails, Videotelefonie kann er auch. All das für 1 200 bis 5 300 Euro im handgeklöppelten Design-Rechner, der nur einen Nachteil hat: Er kann geklaut, verbrannt, geflutet oder durch Blitzschlag frittiert werden.

Helikoptereltern eines Heim-Servers

Ich zähle das so detailliert auf, weil wir selber einen Protonet-Server besitzen und ich selten abends abschließe, ohne mental eines der Katastrophenszenarien durchzuspielen. Mein Kompagnon und ich sind zu Helikoptereltern dieser Box geworden, die wir mit Überspannungsschutzleiste, Kabelschlössern und einem an geheimem Ort aufgestellten Back-up-Server vor der Welt schützen. Was ist schon die abstrakte Bedrohung durch NSA und GCHQ gegen einen handfesten Wasserschaden?

Dass ich mich trotzdem über die Box freue wie ein Kind, hat zwei Gründe: Spieltrieb und Besitzerstolz. Gemüse im eigenen Garten zu ziehen muss sich ähnlich anfühlen, wie Daten auf dem eigenen Server zu pflegen – anstatt bei Onlinediensten, deren AGB obskure „Was du hier speicherst, gehört uns“-Klauseln bergen.

Diese kleine Don-Quijote-Nummer schätze ich inzwischen auch daheim sehr. Eine simple Netzwerkfestplatte gehört ja ohnehin in jeden kultivierten Digitalhaushalt: als Back-up-Speicher und als Medienserver für den vernetzten Hi-Fi- und TV-Altar. Aber welch herrliche Spielwiese bieten ambitioniertere Modelle, in denen ein richtiger kleiner Server steckt: Man kann zum Website- und Mailanbieter werden. Überwachungskameras fernsteuern. Einen Online-Office-Dienst betreiben – tschüs, Google Drive und Office 365!

Wer sein Heimnetz mit solchen Diensten dem Internet öffnet, kann es natürlich mit allerlei Unerfreulichkeiten zu tun bekommen – etwa dem Heartbleed-Bug, dem jüngst entdeckten Softwarefehler, der Server zum Datenselbstbedienungsladen machte. Wer also schon damit überfordert ist, seinen Virenscanner aktuell zu halten, befriedigt Spieltrieb und Besitzerstolz vielleicht doch besser anderweitig. Nächsten Monat habe ich da wieder ein paar Anregungen für Sie.

Was der Markt hergibt

Große Server
Bei den in Hamburg handgefertigten Protonet-Servern bezahlt man neben dem Design auch für die Benutzeroberfläche „Soul“, die im Unternehmen E-Mails und allerlei Clouddienste ersetzt (ab 1 200 Euro).

Kleine Server
Für Back-up-Laufwerke und als Medienstreamer daheim genügt ein Kleinserver wie die „Synology Diskstation DS213j“ (ca. 180 Euro zzgl. Festplatten, synology.de). Der Heimserver „OPI“ des schwedischen Start-ups Open Products speichert Daten verschlüsselt auf SD-Karten, wickelt E-Mails ab und synchronisiert Dateien, Kalender und Adressbücher – etwa zwischen Computer und Smartphone (ca. 88 Euro, optionaler Online-Back-up-Dienst ab 21,40 Euro pro Jahr, openproducts.com)

Einfach
Kein eigener Server, aber trotzdem mehr Datensicherheit: Das Start-up Secucloud bringt 2014 einen Rundum-sorglos-Dienst für Familien und Kleinunternehmen auf den Markt: Datenverkehr wird über die Sicherheitsserver der Firma geleitet, Firewall inklusive. Eltern und Chefs können auf jedem Endgerät bestimmte Websites sperren, Verschlüsselungs-Apps für den Datenverkehr per Smartphones sollen auch kommen (ab ca. 5 Euro pro Monat, secucloud.com)

Georg Dahm gründet derzeit das digitale­ Wissenschaftsmagazin „Substanz“: substanzmagazin.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.


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