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Der Nixdorf-Absturz

, Capital-Redaktion

Die Wirtschaft ist voller Fehden, Pleiten und Skandale. Capital erinnert an die besten. Diesmal: System Error bei Nixdorf

Heinz Nixdorf und ein Nixdorf Geldautomat © Illustration: Jindrich Novotny; Foto: ddp images
Heinz Nixdorf hat die Firma groß gemacht, drei Jahre nach seinem Tod folgte der jähe Absturz

Als die Hightech-Ikone der Bundesrepublik am Ende war, hatten die meisten Deutschen ganz anderes im Kopf: In Berlin war ein paar Tage zuvor die Mauer gefallen, im Ostblock stürzte der Kommunismus. Wen interessierte im November 1989 wirklich, warum Klaus Luft in Paderborn abrupt verschwunden war?

Doch auch der Rücktritt des Vorstandschefs der Nixdorf Computer AG markierte einen Systemabsturz historischen Ausmaßes: Das Dax-Unternehmen stand für den Zukunftstraum von einem IT-Weltkonzern aus deutschen Landen, der 1986 verstorbene Gründer Heinz Nixdorf war eine vielfach gefeierte Unternehmerlegende. Sein Ziehsohn Luft hatte die Firma danach zunächst auf aggressivem Wachstumskurs gehalten, die Zahl der Mitarbeiter noch einmal um mehr als ein Fünftel auf rund 30 000 gesteigert.

Doch befand sich Nixdorf plötzlich im freien Fall: 222 Mio. Mark betrug der Gewinn im Todesjahr des Gründers, 1989 drohte schon bis zu 1 Mrd. Mark Verlust. Absatzerfolge wurden mit riesigem Vertriebsaufwand erkauft, die Substanz bei den Produkten fehlte.

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Der Spezialist für „Mittlere Datentechnik“, der einst die ersten Computeranlagen in die Büros lieferte, hatte den Trend zum Personal Computer (PC) verpasst. Nixdorf baue keine „Goggomobile“, hatte der Gründer überheblich gespottet.

Fällt die Dividende aus, dann erhalten die bisher einflusslosen Vorzugsaktionäre Stimmrecht. Im Fall Nixdorf war damit klar: Die Erben und der persönlich ausgewählte Nachfolger verloren die Macht. Luft trat ab, bevor er gegangen wurde.

Noch über Weihnachten 1989 wurde die Auffanglösung ausgehandelt, Siemens übernahm die Kontrolle. Anfang Oktober 1990, im Schatten der Feiern zur deutschen Einheit, legte die Siemens Nixdorf Informationssysteme AG (SNI) offiziell los.

Das Imperium wurde verkleinert und zerlegt, den großen Namen führte am Ende nur noch die Sparte für Handels- und Bankensysteme. 1999 wurde sie von Finanzinvestoren gekauft, die ihre Erwerbung gleich mit dem Zusatz „Wincor“ schmückten: „Erfolgreicher Kern“. Nach weiterem Umbau kam Wincor Nixdorf 2004 an die Börse, die Finanzinvestoren stiegen wieder aus.

Heute ist der Kern allerdings erneut bedroht: Das bargeldlose Bezahlen ersetzt Kassensysteme und Geldautomaten. Manche spekulieren schon auf eine baldige Übernahme durch größere Konkurrenten.

Hauptperson

Heinz Nixdorf, geboren 1925 in Paderborn, arbeitete sich aus ärmlichen Verhältnissen zum meistbewunderten Firmenpatriarchen der Bundesrepublik hoch. Als nach dem Krieg erste Elektronenrechner gebaut wurden, erkannte der Physikstudent, wie die Technik auch für kleinere Betriebe nutzbar zu machen war. Ab Mitte der 60er-Jahre wuchs sein Geschäft rasant, 1984 ging Nixdorf an die Börse. Im März 1986 erlitt er auf der Cebit-Party seiner Firma einen tödlichen Herzinfarkt.

Western von Gestern erscheint jeden Monat in der Capital. In der letzten Folge erinnerten wir an den Übernahmekampf zwischen Pirelli und Continental

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