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Der Mustang kommt

, Jens Brambusch

Vor 50 Jahren lief der erste Ford Mustang vom Band. Ab 2015 wird er offiziell in Deutschland vertrieben - das Interesse ist groß.

Ford Mustang
So fing alles an: Ein Ford Mustang Fastback, Baujahr 1965. Mit diesem Modell startete der US-Autobauer die Geschichte des Klassikers. Unsere Bilder stammen von Thilo Sicheneder, der sie für eine Diplomarbeit – größtenteils in Norddeutschland – aufnahm

Der Mustang ist der Star unter den Autos auf der Kinoleinwand, wurde besungen und hat die meisten Facebook-Fans. Ab dem kommenden Jahr wird er erstmals offiziell auch in Deutschland verkauft. Bei einer Frühbucheraktion während des Champions League-Finales gab es für die ersten 500 Exemplare nach Angaben des Herstellers europaweit mehr als 9300 Reservierungen. 

Mythos

Moviestar: Die Leinwand liebt ihn. Der erste Mustang war gerade in Dearborn/Michigan vom Band gerollt, da hatte er schon seine erste Filmrolle. Allerdings in der Louis-de-Funès-Schmonzette „Der Gendarm von Saint Tropez“. Nun gut, es gibt bessere Testimonials für einen Sportwagen als den quirlig-nervenden Franzosen. James Bond zum Beispiel. In „Goldfinger“ jagte Sean Connery, ebenfalls 1964, einer brünetten Schönheit am Steuer eines weißen Mustang Cabrio mit roten Ledersitzen hinterher.

Doch kein Film prägte das Image dieses Modells mehr als der Steve-McQueen-Klassiker „Bullitt“ aus dem Jahr 1968. Durch eine der längsten und spektakulärsten Autoverfolgungsjagden der Filmgeschichte – sie dauert gute zehn Minuten – ­erlangte der Mustang Kultstatus.

Mittlerweile hat es der Mustang auf über 3 200 Film- und TV-­Auftritte ­­gebracht und damit den Lebensstil ganzer Generationen geprägt. Auch in dem Hollywood-Spektakel „Need for Speed“, das am 14. März in den US-Kinos anläuft, spielt er die blecherne Hauptrolle. Der Mustang sei „die automobile Ikone der Popkultur“, sagt Regisseur Scott Waugh.

Auch in Deutschland hat der Mustang Fans. Wie Ralf Martin Wurm. Er ist Präsident des „First Mustang Club of Germany“ mit seinen 650 Mitgliedern. „Was hat der Mustang nur für Zucker am Hintern, dass er über Jahrzehnte begeistert“, sagt Wurm. Der Wagen vereine die Menschen über Grenzen hinweg.

Nach einer europaweiten Umfrage von AutoScout24 ist der Wagen Europas begehrtestes „Classic Car“. Zudem hat kein Automodell bei Facebook mehr Likes als der Galopper aus den USA – knapp sechs Millionen. Und das im hohen Alter von 50 Jahren. 

Ford Mustang
Die erste Generation, hier ein 1966er Cabrio am Strand von Sankt Peter-Ording, war vom Start weg ein großer Erfolg. Im ersten Jahr wurden knapp 680.000 Einheiten verkauft. Bis heute ein Rekord in den USA
Ford Mustang
Aus dem Jahr 1967 stammt das grüne Cabrio. Vom Mustang der zweiten Generation (1967–1968) wurden 789.000 Exemplare, davon 70.000 Cabriolets, gefertigt

Markt

Massenware: Mehr als neun Millionen Mustang wurden bislang produziert – fast ausschließlich für den US-Markt. Zum Vergleich: Der VW Käfer, bis 2002 das meistverkaufte Auto der Welt, verkaufte sich in 64 Jahren nur gut doppelt so oft. Jetzt, im gesetzten Alter, setzt der Galopper zum Sprung über den großen Teich an. Ab 2015 wird der Mustang auch in Europa vertrieben – höchst offiziell. Und das in Zeiten, in denen sich andere US-Hersteller wie Chevrolet vom deutschen Markt wegen Erfolglosigkeit verabschieden.

Bislang war der Mustang etwas für Enthusiasten. Die Autos wurden entweder selbst von den USA überführt, oder es musste auf Grau­importe zurückgegriffen werden. Das machte sie besonders.

Die neue Strategie des US-Autobauers lautet „One Ford“. Übersetzt heißt das: Jeder Ford, egal wo auf der Welt produziert, muss allen Sicherheitsstandards weltweit gerecht werden, nur so erhält der Hersteller die Typgenehmigung und darf die Wagen selbst vertreiben. Bislang musste jeder importierte Mustang einzeln vom TÜV abgesegnet werden.

Schon einmal stand der Mustang in deutschen Ford-Filialen, getarnt unter seinem Alias „Ford T 5“. Damals waren die Sicherheitsanforderungen noch weniger streng. Ende der 70er-Jahre wurde er vom Markt genommen. Die Umfirmierung war notwendig, weil Kreidler und Krupp die Rechte an dem Namen besaßen. So hießen bereits ein Moped und ein Schwerlaster Mustang. 

Ford Mustang
Klassisch schön: Ein 1969er Ford Mustang Fastback auf der Oberhafenbrücke in Hamburg
Ford Mustang
Anfang der 70er-Jahre erlebte der Mustang ein Facelift. Er wurde kantiger. Über die 80er-Modelle schweigen Autofans lieber

Marke

Muskelprotz: „Dieser Sport­wagen ist weit mehr als ein Auto. Er ist das Herz und die Seele von Ford.“ Natürlich muss Raj Nair so etwas sagen, er ist bei Ford für die weltweite Produktentwicklung zuständig. Und doch hat er fast tiefgestapelt. Er hätte auch sagen können: Der Mustang ist Herz und Seele von Amerika.

Kraft und Muskeln, Freiheit und Sportsgeist – dafür steht der Wagen mit seinem sonoren Sound. Und damit auch für den American Way of Life. Der Mustang war das klassische Reitpferd der Cowboys, Ford hat ihm ein Denkmal gesetzt.

Aus einer Pferdestärke wurde jedoch eine ganze Herde. Der sportliche Mustang Shelby GT 500 Super Snake beispielsweise hat bis zu 811 PS unter der Haube.

In Europa wird die sechste ­Generation – als Coupé oder Cabrio erhältlich – etwas zahmer ausfallen. Zur Wahl stehen ein typisch amerikanischer und ein typisch europäischer Motor. Der fünf Liter große V8 mit 426 PS und der 2,3-Liter-EcoBoost-Vierzylinder mit immerhin 309 PS.

Die Starrachse, bislang unverwechselbares Merkmal des Mustang, wurde ausgemustert. Das Design hat sich am Original der 60er-Jahre orientiert. Der neue Mustang ist wieder kleiner, kompakter. Selbst Mustang-Vater Lee Iacocca schmähte die Modelle der 80er-Jahre als „dicke Schweine“. Mustang-Club-Präsident Wurm ist von dem neuen Modell angetan: „Er wird die Menschen begeistern.“ Auch wenn die Front ihn leider etwas an den Mondeo erinnere. 

Ford Mustang
Optisch soll der neue Mustang an seine Ahnen erinnern. Hinten hui, vorne pfui. Spötter sagen, die Front sehe aus wie ein Mondeo

The next Generation

Ende Dezember 2013 stellte Ford die sechste Generation des Mustang vor. Zeitgleich in New York, Los Angeles, Dearborn, Barcelona, Schanghai und Sydney. Die US-Ikone soll zum Weltauto werden. Nach Europa kommt der Sportwagen allerdings erst im nächsten Jahr
Versionen Fastback-Coupé und Convertible-Cabrio
Motor 5,0 Liter V8 (426 PS) oder 2,3 Liter EcoBoost Turbo (309 PS)
Fahrwerk Hinterachse mit Integrallenker-Einzelradaufhängung Maße 4,78 Meter lang, 1,38 Meter hoch
Preis In den USA zwischen 23 335 und 60 935 Dollar. Der Preis in Deutschland steht noch nicht fest

Fotos: © Thilo Sicheneder


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