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Der kalte Optik-Krieg

, Capital-Redaktion

Die Wirtschaft ist voller Fehden, Pleiten und Skandale. Capital erinnert an die besten. Diesmal: Zeiss gegen Zeiss

Zeiss © Illustration: Jindrich Novotny; Fotos: Günter Höhne/Interfoto

Es war alles schon längst mit brutaler Klarheit aufgeteilt: die Bevölkerung, das Kapital, das ganze Land und sogar die Millionenstadt Berlin. Aber um diesen einen Namen kämpften Ost und West noch immer.

Der Kalte Krieg um „Carl Zeiss“, die Topmarke der optischen Indus­trie, zog sich hin von den frühen 50er-Jahren bis zu einem juristischen Waffenstillstand 1971. Erst der Mauerfall beendete ihn schließlich ganz.

Der Physiker und Unternehmer Ernst Abbe hatte in Jena 1889 eine visionäre Konstruktion geschaffen: Er übergab die von ihm zum Hightechkonzern entwickelte Firma Carl Zeiss in das Eigentum einer Stiftung, die sich um den ökonomischen Erfolg, das Wohl der Mitarbeiter und der Stadt und die Förderung der Wissenschaft kümmern sollte. Die Glaswerke Schott wurden ebenfalls der Carl-Zeiss-Stiftung übertragen.

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Die aktuelle Capital

Doch die deutsche Teilung zerriss auch die von Abbe geplante Einheit von Stiftung, Stadt und Firma. Thüringen wurde 1945 zuerst von den Amerikanern besetzt. Als die GIs abzogen, nahmen sie mehr als 100 Fachkräfte von Zeiss gleich mit. Im schwäbischen Oberkochen gründeten diese ein neues Unternehmen.

Oberkochen und das demontagegeschwächte Jena halfen sich anfangs und nutzten beide den Namen Zeiss. Aber bald eskalierte der Systemkonflikt: Die Stiftung in Jena wurde enteignet, ihre Werke wurden ein VEB; die Schwaben verlegten den Stiftungssitz per Eintrag beim Amtsgericht nach Heidenheim. Von 1954 an stritt Zeiss West juristisch für die alleinigen Namensrechte.

Das Argument: Laut Statut der Stiftung muss sie der Eigentümer des Unternehmens sein. Argument der Thüringer: Laut Statut muss der Sitz der Stiftung in Jena bleiben.

Die weltweiten Prozesse gewann im Westen Oberkochen, im Ostblock Jena. Erst mit der Entspannungspolitik kam es 1971 in London zu einer außergerichtlichen Einigung. Für West- respektive Ost­europa gab es je ein Exklusivrecht; im Rest der Welt durften beide die Marke nutzen oder sie traten als Opton (West) und Jenoptik (Ost) auf.

Fast genau 100 Jahre nach der Gründung durch Abbe fiel 1989 die Mauer auch für Zeiss. Die Oberkochener und Schott Mainz übernahmen 1991 die Jenaer Betriebe, der notwendige Umbau nach der Währungsunion kostete allerdings rund 30 000 Jobs.

Die zwei Stiftungen verschmolzen wieder zu einer – die aber jetzt einen Doppelsitz in Thüringen und Schwaben hat.

Hauptperson

Carl Zeiss gründete am 9. November 1846 in Jena ein Atelier für Mikroskope. Sein späterer Miteigentümer, der Wissenschaftler Ernst Abbe, machte die Firma zum Technologieführer. Nach Zeiss’ Tod errichtete Abbe die Carl-Zeiss-Stiftung als ­Sozialmodell. 1938 hatten die Jenaer Werke mehr als 10 000 Mitarbeiter. Die DDR gruppierte um Zeiss ein Kombinat mit bis zu 70 000 Beschäftigten. Heute hat die Carl Zeiss AG weltweit gut 24 000 Mitarbeiter und erzielt über 4 Mrd. Euro Jahresumsatz.

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