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Der Enron-Skandal

, Capital-Redaktion

Die Wirtschaft ist voller­ Fehden, Pleiten und Skandale. Capital erinnert an die besten. Diesmal: Enrons gigantischer Bilanzbetrug

Cargolifter © Novotny/dpa

Wenige Monate vor dem Untergang im Dezember 2001 will Jeffrey Skilling noch die Welt erobern. In der Firmenzentrale des US-Energiehandelsriesen Enron in Houston jubeln die Mitarbeiter, als das Führungsduo Skilling und Kenneth Lay eine „neue Vision“ verkündet und ein Transparent ausrollt. Darauf steht: „Vom größten Energiekonzern der Welt zum größten Konzern der Welt“.

Kleiner machen sie es hier nicht – erst recht nicht Skilling, der sich schon an der Harvard Business School als „fucking smart“ vorstellte. Gemeinsam mit Firmengründer Lay und dank Unterstützung der US-Regierung hat der Ex-McKinsey-Mann die Energiebranche aus der bequemen Zeit gerissen, als der Staat noch Produktion und Vertrieb beherrschte. Sie machen Gas und Strom zu einem Produkt, das gehandelt werden kann wie Aktien. Enron steigt zu einer riesigen Handelsplattform auf – erst für Energie, dann auch für Papier, Kohle und sogar Versicherungen gegen schlechtes Wetter.

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Skilling kauft Firmen, lässt seine Händler aggressive Deals abschließen und hat nur ein Ziel: den Aktienkurs nach oben zu treiben. Noch ein Jahr vor dem Absturz ist Enron der siebtgrößte Konzern der USA. Top-Manager kassieren Hunderte Millionen Euro mit ihren Aktienoptionen.

Am 2. Dezember 2001 dann ist Enron überraschend pleite – aber produziert auch im Untergang neue Superlative: Der gewaltigste Bilanzbetrug der US-Geschichte fliegt auf. Aktionäre, Banken und Pensionsfonds verlieren 60 Mrd. Dollar, 20 000 Mitarbeiter ihre Jobs und viele davon ihre Altersvorsorge. Eine Wutwelle schwappt durch das Land.

Über viele Jahre hat Enron die Bilanz aufgepumpt, aus Schulden Gewinne gezaubert. Dazu diente ein Geflecht von mehr als 2000 Partnerfirmen, über die der Konzern faktisch Geschäfte mit sich selbst machte. In der Enron-Bilanz tauchten nur die Einnahmen auf. Die Schulden verschwanden in den Partnerfirmen.

Bis zuletzt bestreiten Skilling und Lay, von den Manipulationen gewusst zu haben. Sie beschuldigen ihren Finanzchef, der später im Prozess als Kronzeuge gegen sie aussagt. Drei Jahre nach der Pleite spricht ein Gericht beide schuldig. Lay stirbt noch vor der Verkündung des Strafmaßes an Herzversagen, Skilling wird wohl bis 2017 im Gefängnis bleiben. Das Theaterstück über den Fall Enron, das auch am Broadway lief, hat er sich noch nicht anschauen können.

Hauptperson

Jeffrey Skilling war als Chief Operating Officer formal nur die Nummer zwei bei Enron – hinter Gründer Kenneth Lay. Doch nach seinem Einstieg 1990 wurde er zum Gehirn des Konzerns und verkörperte alles, wofür Enron stand: Intelligenz, Aggressivität, Arroganz. Bis heute kämpft Skilling, der 2001 sechs Monate auch als CEO amtierte, gegen seine Verurteilung. 2013 reduzierte ein Gericht seine Haftstrafe um zehn auf 14 Jahre.

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