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Der Energizer

, Thomas Steinmann

Der Bremer Stromversorger SWB ächzt unter der Energiewende. Ein 36-Jähriger soll das Unternehmen wieder fit machen. 

Timo Poppe © Heinrich Holtgreve
Timo Poppe sitzt im Vorstand des Energieversorgers SWB. Er ist einer der jüngsten Top-Manager der Energiebranche

Es ist morgens um kurz nach 8 Uhr im ICE 27, als Timo Poppe wissen will, wie es der alten Energiewelt geht. Der Vorstand des Bremer Regionalversorgers SWB sitzt im Zug Richtung Ruhrgebiet, auf dem Weg zu einer Fachmesse nach Essen. Draußen wird es gerade hell. Drinnen schaut Poppe auf seinem iPhone nach den Aktienkursen der Energiekonzerne. An diesem Februarmorgen sieht es wieder schlimm aus: RWE unter 12 Euro, Eon sogar unter 9.

Ungläubig blickt Poppe auf das Display. „Weniger als 8 Mrd. Marktkapitalisierung“, murmelt er. Der große RWE-Konzern, einer der stolzen Energieriesen, die jahrzehntelang wie Gelddruckmaschinen funktioniert haben, ist an der Börse nicht mehr wert als manches aufgeblasene Internet-Start-up. Natürlich sei dafür auch die Politik verantwortlich, sagt Poppe. „Aber viele in der Branche haben auch nicht gesehen, was die Energiewende für die Unternehmen bedeutet.“

Für Poppe sind die Aktienkurse der Stromriesen wie der Puls der alten Energiewelt, deshalb hat er sie auf seinem Handy ständig parat. Aus dieser Welt kommt auch Poppes Unternehmen, das 160 Jahre alt ist und bis 1999 Stadtwerke Bremen hieß. Mit rund 1,3 Mrd. Euro Umsatz zählt es zu den größten Regionalversorgern des Landes. Lange Zeit verdiente es in Bremen prächtig mit Strom und Gas. Den Mitarbeitern ging es besser als anderswo – bis die Schockwellen die alte Energiewelt auch dort erschütterten: erst die Liberalisierung, dann die Energiewende.

„Einfach mal machen“

Ausgerechnet Poppe muss den Konzern nun in die neue Zeit führen: einer der jüngsten Vorstände der gesamten Branche, gerade 36 Jahre alt. Poppe wirbelt durch das Unternehmen, als wäre er eine Turbine, die ständig Energie produziert. Sein Leitspruch: „Einfach mal machen.“

Seit 2012 kümmert sich Poppe im SWB-Vorstand um Netze und Vertrieb. Vorstandschef Torsten Köhne, 52, der 1997 zu den Stadtwerken kam, ist für die Stromerzeugung zuständig. Beide kämpfen mit den gleichen Problemen wie ihre Kollegen bei Eon und RWE. Sie müssen neue Erlösmodelle entwickeln, ein Kraftwerk stilllegen, Personal abbauen und Privilegien für eine überalterte Belegschaft streichen – nur dass die Bremer ihre Probleme nicht einfach abspalten und in eine andere Firma abschieben können.

Es ist kurz vor 9, ICE 27 rollt in den Essener Hauptbahnhof. In Essen läuft die E-World, eine Messe, auf der die gesamte Energiebranche vertreten ist: Konzerne wie die Eon-Abspaltung Uniper mit riesigen Ständen und Heerscharen von Vertrieblern. Aber auch Digital-Start-ups, die auf ein paar Quadratmetern ihre Produkte präsentieren – etwa Big-Data-Software, die den Stromverbrauch von Kunden analysieren kann.

Auch Poppe könnte mit seinem blauen Anzug und dem offenen Hemd als Start­up-Gründer durchgehen. Er tickt auch so, seitdem er früher bei Deutschlands fünftgrößtem Energiekonzern EWE die Strategieabteilung leitete. Für den Oldenburger Konzern, dem auch die SWB-Gruppe gehört, scannte Poppe den Markt nach innovativen Firmen. Zudem schob er ein großes Erneuerbaren-Modellprojekt an, das auch Konzerne aus Japan und China anlockte.

Strom im Überfluss

In 15, 20 Jahren, glaubt Poppe, wird es so viel billige Energie aus Wind und Sonne geben, dass Strom ein öffentliches Gut ist – „wie die Luft zum Atmen“. Für die klassischen Versorger heißt das: Ihr Geschäft ist tot. Nach Poppes Ansicht lässt sich richtig Geld in Zukunft nur mit Energiedienstleistungen verdienen. Er hat sich auch schon die Frage gestellt, ob es nicht Sinn macht, einen Heizungshersteller zu kaufen – weil vielleicht künftig alle mit Strom heizen.

In der Messehalle geht es nun durch das Labyrinth der Stände hin zu einem Schild mit der Aufschrift „Vorweg gehen“, dem Werbespruch von RWE. Poppe stellt sich hinter eine Säule, in die ein iPhone mit der neuen Smart-Home-Steuerung von RWE eingebaut ist. Sofort kommt ein Mann im Firmenoutfit. Die App sei nun „aufgeräumter“, sagt der Mitarbeiter. Man könne verschiedene „Szenarien“ für Licht, Hauskameras und andere Geräte einprogrammieren. Der RWE-Mann tatscht auf dem Display herum, nichts tut sich. Er drückt noch mal und noch mal, immer noch nichts. „Meine Frau wäre jetzt schon raus“, sagt Poppe.

Auch Poppes Unternehmen will bald ein Smart-Home-Produkt auf den Markt bringen, um neue Einnahmequellen aufzutun. Im eigenen Haus, in dem Familie Poppe mit den beiden kleinen Kindern wohnt, steckt schon eine Menge Technologie. Aber die entscheidende Frage sei: „Trauen die Leute so etwas ihrem Energieversorger zu?“ Oder machen andere das Geschäft, etwa Handwerker oder Elektronikfirmen?

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In der Leitwarte des Kohlekraftwerks im Bremer Industriehafen kontrollieren Mitarbeiter des Versorgers SWB die Abläufe © Heinrich Holtgreve
In der Leitwarte des Kohlekraftwerks im Bremer Industriehafen kontrollieren Mitarbeiter des Versorgers SWB die Abläufe

Großhandelspreise stürzen ab

Beim Aufbruch in die neue Zeit haben große regionale Versorger wie SWB einen Startvorteil gegenüber RWE und Eon mit ihren Altlasten aus der Atomära. Das Ex-Stadtwerk dominiert die Märkte für Strom und Gas in Bremen und Bremerhaven mit einem Anteil von mehr als 80 Prozent. Es genießt vergleichsweise gute Imagewerte und profitiert davon, dass es auch mit Fernwärme, Trinkwasser und Abfall Geld verdient.

Aber auch in Bremen leiden sie darunter, dass immer mehr hoch subventionierter Ökostrom die Netze flutet und die Preise im Großhandel abstürzen lässt. Zuletzt kostete die Megawattstunde Strom an der Börse nur noch etwas mehr als 20 Euro – ein Preis, bei dem sich selbst günstige Atom- und Braunkohlekraftwerke nicht mehr rentieren. Weil die Auslastung ihrer Anlagen sinkt und hohe Abschreibungen zu Rekordverlusten wie jüngst bei Eon führen, wollen die Betreiber viele Meiler stilllegen. In Bremen wird es den Steinkohleblock im Hafen treffen. Auch das neue Gaskraftwerk, das im Sommer fertig sein soll, ist längst eine Belastung.

Hinzu kommen teure Verpflichtungen aus der goldenen Zeit – allen voran für die betriebliche Altersversorgung. Frühere SWB-Vorstände hatten sich nie richtig an die Privilegien aus der Monopolisten-Ära gewagt, obwohl sich die Belegschaft von einmal 4 000 Leuten halbiert hat und heute im Schnitt 46,5 Jahre alt ist. Seit 2011 musste der Vorstand deshalb wegen der niedrigen Zinsen und trotz sinkender Umsätze die Pensionsrückstellungen um 300 Mio. Euro aufstocken. Nun türmen sie sich auf 900 Mio. Euro. Die laufenden Zahlungen an die 2 600 Pensionäre verschlingen im Jahr 30 Mio. Euro cash – fünfmal so viel wie der Konzerngewinn 2014.

Das Unternehmen müsse sich von „netten Gewohnheiten aus der Vergangenheit“ verabschieden, sagt Vorstandschef Köhne. „So etwas ist nicht angenehm, aber das muss jetzt sein.“ Vor einem Jahr kam es deshalb zum Knall. Auf einer Betriebsversammlung im Mai erklärten Köhne und Poppe, dass man sich die Zusatzversorgung nicht mehr leisten könne – und kündigten den Tarifvertrag für künftige Mitarbeiter.

„Wir haben hier Personal abgebaut ohne Ende“

Die 900 Mio. Euro für die Pensionsrückstellungen seien „natürlich ein Wahnsinn“, sagt Betriebsratschef Peter Marrek. „Ich kann verstehen, dass das Management langsam kalte Füße bekommt.“ Aber, fährt Marrek fort, die Kündigung der Altersversorgung sei „ein echter Verlust“ und ein Problem, wenn es darum gehe, gute Leute zu gewinnen. Dabei sei das Unternehmen heute schon „ausgeknautscht“, sagt er. „Wir haben hier Personal abgebaut ohne Ende.“

Betriebsratschef Peter Marrek © Heinrich Holtgreve
Seit der Energiewende hat SWB- Betriebsratschef Peter Marrek viel zu tun.
Portestplakat SWB © Heinrich Holtgreve
...Zusammen mit den Kollegen kämpft er in Berlin dafür, den Ausstieg aus der Kohle ohne soziale Brüche zu organisieren

Am Tag nach der Versammlung nahm der Betriebsrat den Kampf auf. Marrek begann, sich in der Bremer Runde mit Kollegen aus anderen Stadtwerken, von RWE und Eon zu vernetzen und Druck aufzubauen – auf den eigenen Vorstand und auf die Politik. Bei SWB wird nun über eine abgespeckte Zusatzversorgung verhandelt. In Berlin kämpft die Runde für eine Energiewende, „ohne dass die Leichen unserer Kollegen rechts und links des Weges liegen“.

Die Ölschinken an den Wänden sind weg

Zwei Tage nach dem Messebesuch in Essen wartet Poppe in seinem Büro in der Bremer Firmenzentrale, einem Ensemble aus mehreren Gebäuden in Bahnhofsnähe. Gleich beginnt der Führungskreis, in dem die Vorstände regelmäßig ihre Top-Manager zusammenrufen.

Früher saßen in solchen Runden wie überall in der Branche fast nur grauhaarige Männer. Heute sieht das Bild anders aus. Im Winter holte Poppe eine junge Strategiechefin von der Deutschen Post und einen jungen Vertriebschef. Anfang April kam ein dritter Vorstand von der Bahn für das Personalressort. Es gibt einen firmeneigenen Inkubator für Technologie-Start-ups und Pläne für eine Betriebskita. Statt nur über die Marktverwerfungen durch die Förderflatrate für Ökostrom zu jammern, wollen Köhne und Poppe die Firma in Bewegung bringen.

Auch in der Zentrale, in der noch Paternoster fahren, hat sich etwas getan. Die „Ölschinken“ an den Wänden, die Poppe vorfand, als er anfing, sind weg. Nun hängen unter den Decken WLAN-Boxen. Im vierten Stock, wo sich frühere Vorstände in getäfelter Eiche verbarrikadierten, stehen die Türen offen.

„Früher war der Besuch in der Vorstandsetage ein Besuch auf einem anderen Stern“, sagt ein Manager aus dem Führungskreis. Jeder habe Angst gehabt, wenn er hinaufgerufen wurde. In der alten Energiewelt herrschten die Chefs nach dem simplen Prinzip: Einer weiß alles.

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„Die Branche braucht neue Typen“

SWB-Schild © Heinrich Holtgreve
In der Branche haben viele nicht gesehen, was die Energiewende für die Unternehmen bedeutet" (Timo Poppe)

Heute sagt Poppe über die Runden mit seinen Führungskräften: „Ich will alle 15 Gehirne anzapfen.“ Reihum ist nun einer der Manager dran, die Sitzungen vorzubereiten und zu leiten. Nur manchmal schaut Poppe ungeduldig auf seine Apple Watch und schaltet sich ein, wenn zu lange über ein Thema geredet wird.

„Die Branche braucht neue Typen. Und Poppe ist ein neuer Typ“, sagt EWE-Chef Matthias Brückmann, der den SWB-Aufsichtsrat leitet. Ihm gehe es nicht um das Lebensalter, sondern nur um das Wissen und die Fähigkeit, Leute zu führen.

Ist das Alter also gar kein Thema? „Doch“, sagt Poppe, „immer.“ Schon bei EWE war der Wirtschaftsingenieur, der in der Branche bestens vernetzt ist, stets der Jüngste: Mit 29 wurde er Leiter der Konzernentwicklung, mit 32 Generalbevollmächtigter für Infrastruktur. Parallel übernahm er 2012 den Vorstandsposten in Bremen – in einer Zeit, in der es zwischen EWE und Tochter SWB ziemlich knirschte. Manche fragten damals hinter vorgehaltener Hand: Was will uns dieser Jungspund überhaupt sagen?

„In diesem Alter ist man am Anfang immer ein Outsider“, sagt der frühere Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke. Seit ein paar Jahren begleitet Ricke, der in Zürich lebt und unter anderem Investmentfirmen berät, als Mentor Poppes Karriere. Beide verbindet fast schon eine Freundschaft. Viele, die so früh hoch aufgestiegen seien, hätten ein Problem, sagt Ricke: „Man überschätzt sich und seine Fähigkeiten. Und man unterschätzt die Wirkung, die man links und rechts entfaltet.“ Poppe sei pragmatisch, bodenständig und lernbegierig, aber manchmal auch noch etwas ungestüm. Wenn Poppe ihn vor wichtigen Entscheidungen anruft, versucht Ricke vor allem eins: „Dafür zu sorgen, dass ein Moment des Innehaltens und der Reflexion entsteht.“

Poppe ist nun hinübergelaufen in einen engen Konferenzraum, in dem der Führungskreis tagt. Der Vertriebschef klickt durch die Folien mit den Top-Themen der Kollegen: Gaskonzessionen, digitale Stromzähler, der Austausch der Gasanschlüsse in 170.000 Haushalten, Poppes wichtigstes Infrastrukturprojekt.

Natürlich geht es auch hier um Block 6, das Steinkohlekraftwerk. Bei den aktuellen Strompreisen wird der 330-Megawatt-Meiler, der erst 2013 für 45 Mio. Euro modernisiert wurde, nun öfter aus dem Markt gedrängt und verdient seine Vollkosten nicht mehr. Der Vorstand hat deshalb rechnen lassen, wann es am günstigsten ist, den Block stillzulegen. Jetzt wirft ein Mitarbeiter die Ergebnisse an die Wand. Der optimale Zeitpunkt sei 2025, rechnet er vor. Bis dahin gingen viele aus der Kraftwerksbelegschaft in den Ruhestand. Kurzfristig ließen sich zudem „deutlich flachere Strukturen“ erreichen, etwa indem die Schichten mit weniger Personal besetzt würden.

Industrie rettet Bilanz

Ein trüber Montagmorgen, über der Stahlhütte in Bremen-Mittelsbüren hängen die Wolken. Wo früher 20.000 Leute bei Klöckner arbeiteten, produziert ArcelorMittal heute Rohstahl und Autobleche. Bremen ist ein wichtiger Industriestandort, und viele große Stromfresser sind SWB-Kunden. Fast drei Viertel der Jahresproduktion von 3500 Gigawattstunden nimmt die Industrie ab.

Mit Helmen und Sicherheitsschuhen fahren Köhne und Poppe hinauf auf das Dach von Block 4. Der 150-Megawatt-Meiler aus den 70er-Jahren ist an ArcelorMittal verpachtet. Aus Gichtgas, das in den Hochöfen bei der Produktion entsteht, erzeugt er Strom für das Werk.

Thorsten Köhne und Timo Poppe © Heinrich Holtgreve
SWB-Chef Thorsten Köhne (l.) und Timo Poppe auf dem Dach eines Kohlekraftwerks

Die Kooperation ist Teil der „Nischenstrategie“, mit der man das Geschäft gegen den Preisverfall am Großhandelsmarkt ein Stück weit „immunisieren“ will, wie Köhne sagt. Ein anderes SWB-Kraftwerk liefert Strom und Fernwärme für das Bremer Daimler-Werk. Auch die Bahn ist Großkunde, jeder zehnte Zug fährt mit Strom aus Bremen. Bei den zwei Müllheizkraftwerken gibt es für den Brennstoff sogar Geld.

Ohne diese Partnermodelle wäre das Ergebnis in der Stromproduktion „knallrot“, sagt Köhne, ein nüchterner Hanseat, der nicht zu Übertreibungen neigt. In der Erzeugungssparte gebe es einen operativen Gewinn von 12 bis 20 Mio. Euro im Jahr. Aber gegen die Abschreibungen vor allem auf Block 6, der bei SWB als einziger voll im Markt steht, kann Köhne nichts machen. 2014 und 2015 waren es je rund 20 Mio. Euro. Nur dank anderer Konzernteile wie der Netztochter Wesernetz oder des Abwasserentsorgers Hansewasser gab es noch einen Konzerngewinn.

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Gaskraftwerke können im Markt nicht bestehen

Vom Dach von Block 4 sieht man auch ein anderes Problem des Unternehmens: das neue Gas- und Dampfturbinenkraftwerk, das im Sommer mit dreijähriger Verspätung ans Netz gehen soll. Kurz nach Fukushima im März 2011 hatte der damalige SWB-Vorstand mit der Deutschen Bahn und anderen Partnern den Bau der 445-Megawatt-Anlage für 450 Mio. Euro beschlossen. Damals glaubten alle, dass Gaskraftwerke die Zukunft seien: sauberer als Kohlemeiler, flexibel regelbar, die ideale Ergänzung zu den Erneuerbaren.

Heute wünschen sich einige, der Bauträger möge noch etwas länger brauchen, bis die Anlage fertig ist. „Jede Megawattstunde, die wir produzieren, würde uns bei den aktuellen Preisen Geld kosten“, sagt Köhne. Gegen alte Braunkohlemeiler können moderne Gasanlagen heute im Markt nicht bestehen. Nun will die SWB-Spitze versuchen, einen Teil der Kraftwerksleistung, die nicht für die Bahn reserviert ist, nach Betriebsstart von der Bundesnetzagentur als „systemrelevant“ einstufen zu lassen. Dann könnte diese Kapazität in die Reserve überführt und dem Markt entzogen werden – der Betreiber bekäme eine Entschädigung.

Leitwarte des Gaskraftwerks © Heinrich Holtgreve
Das Gaskraftwerk und die Leitwarte sind noch nicht in Betrieb – aber längst eine Belastung

In Poppes Dienstwagen, einem BMW-Kombi, geht es zurück in die Stadt. Hinter dem Steuer erzählt er von einem geplanten Windpark, bei dem es Ärger mit dem Schwarzstorch gibt. Natürlich wollen auch die Bremer bei den Erneuerbaren wachsen. Bislang kommen 17 Prozent ihres Stroms aus grünen Quellen – 2020 soll es mindestens ein Fünftel sein. Zum Portfolio gehören ein paar Windparks, Biogasanlagen und ein Wasserkraftwerk in der Weser.

Das Ziel sei es, jedes Jahr einen Windpark selbst zu bauen, sagt Poppe. Dafür gibt es etwa 10 Mio. Euro pro Jahr – eine überschaubare Summe. Anders als andere muss SWB aber nicht wie wild Geld für Erneuerbare ausgeben und jede Bieterschlacht für Windflächen mitmachen. Die Verträge mit der Industrie federn den Druck ab. Und für das grüne Gewissen gibt es ja auch die Kraftwerke, die Strom aus Müll produzieren.

Berlin, Mitte Januar. Im Hotel Interconti läuft die Energietagung des „Handelsblatt“, das Branchentreffen der alten Energiewelt. Alle, die im Geschäft mit Kohle und Atom etwas zu sagen haben, sind gekommen: Vorstände von RWE, Uniper und EnBW, Stadtwerke-Chefs.

Die Konferenz ist einer der wenigen Termine, bei denen sich Poppe eine Krawatte umbindet. Früher wurden hier Deals eingetütet, Headhunter sichteten Kandidaten. Während der Vorträge tagsüber schliefen manche Teilnehmer ein paar Stunden im Hotel, damit sie abends bei den wichtigen Gesprächen an der Bar länger durchhielten. Nun ist es anders. Inzwischen, sagt Poppe am Morgen, sei abends nicht mehr so viel los.

Der Beitrag ist zuerst in Capital 05/2016 erschienen.

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