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Der Berliner Bankenskandal

, Capital-Redaktion

Die Wirtschaft ist voller Skandale und Kämpfe. Capital erinnert an die besten. Diesmal: Riesenflop Bankgesellschaft Berlin

Heiner Kamps (l.) und Guido Barilla © Illustration: Jindrich Novotny / Foto: Caro/Waechter
Klaus Landowsky stürzte über den Skandal

„Berlin ist pleite – und das ist auch gut so“, sangen Pigor & die Pigoretten: Der Berliner Bankenskandal, der 2001 aufflog, riss die Stadtfinanzen in den Abgrund, machte den kaum bekannten SPD-Mann Klaus Wowereit zum Regierenden Bürgermeister und sorgte so am Rande auch noch für das legendäre erste Coming-out der deutschen Politik: „Ich bin schwul – und das ist auch gut so.“

Begonnen hatte das Finanzdesaster natürlich im Boom nach dem Mauerfall. Das Land Berlin gründete 1994 eine Holding, in der es seine Berliner Bank, die Hypotheken- und Pfandbriefbank (Berlin Hyp) sowie die öffentlich-rechtlich verfasste Landesbank bündelte. Die neue Bankgesellschaft Berlin (BGB) sollte kräftig wachsen, also vergab sie großzügig Baukredite und eröffnete Immobilienfonds mit sehr attraktiven Renditegarantien. Leider kippte da schon der Immobilienmarkt, und es häuften sich bald Milliardenverluste. 

Der Verdacht lag nahe, dass bei den Geschäften auch reichlich Filz im Spiel gewesen war. Denn Klaus Landowsky, der mächtige CDU-Fraktionschef, führte zugleich den Vorstand der Berlin Hyp.

Milliardenhilfe für Berlins Superbank

Dort hatte er zum Beispiel einen Kredit von gut einer halben Milliarde Mark an die äußerst wacklige Immobilienfirma Aubis genehmigt. Das Unternehmen, das von zwei CDU-Parteifreunden geführt wurde, kaufte fast ohne Eigenkapital sanierungsbedürftige Plattenbauten im Osten und verlor damit bald sehr viel Geld. Von den Aubis-Chefs soll „Lando“ 1995 eine Parteispende von 40.000 Mark in bar erhalten haben.

Cover der neuen Capital
Die aktuelle Capital

Der starke Mann der CDU musste abtreten, Berlin seine Superbank erst einmal mit 1,8 Mrd. Euro Sanierungshilfe stützen. Die SPD verließ die Große Koalition, nach Neuwahlen im Herbst 2001 bildete Wowereit ein rot-rotes Bündnis.

Die wirtschaftliche und rechtliche Aufarbeitung des Debakels zog sich dann noch über Jahre hin. Berlin musste Garantien von über 20 Mrd. Euro übernehmen, die bisher aber nur zu kleinen Teilen fällig wurden. Die öffentlich-rechtliche Holding wurde in eine AG umgewandelt und schließlich für 4,6 Mrd. Euro an den Sparkassenverband verkauft.

Gut ein Dutzend Bankmanager wurde wegen Untreue angeklagt, am Ende aber freigesprochen, weil kein Vorsatz nachzuweisen war. 2015 wurde auch das letzte von vielen Verfahren gegen Landowsky eingestellt. Er selbst sieht sich als voll rehabilitiert an. Was der BGB-Flop Berlin genau kostete, wird wohl nie geklärt.

Hauptperson

Klaus Landowsky, Jahrgang 1942, galt als graue Eminenz der West-Berliner CDU. Der gelernte Jurist machte Karriere bei der Berlin Hyp, prägte die CDU als Generalsekretär und hielt ab 1991 als Fraktionschef dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen den Rücken frei. Schon als Studentenpolitiker hatten beide gemeinsam gegen die 68er-Bewegung gekämpft.

 

Western von Gestern erscheint jeden Monat in Capital. Weitere Folgen: Barilla übernimmt KampsDie Schlacht um den New Yorker Hafen, Daimlers teure Auto-Hochzeit, Merck gegen Merck, Das Ende der Neuen Heimat, Aufstieg und Fall der Citigroup, Der Crash der Metallgesellschaft, Der Untergang der Siemens-Handys, Falke demütigt Kunert, Ampere gegen Eon, Mein Rolls, Dein Royce, Boeings Wahnsinnsvogel 747, Der Nixdorf-Absturz und Übernahmekampf zwischen Pirelli und Continental

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