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Daimlers teure Auto-Hochzeit

, Capital-Redaktion

Die Wirtschaft ist voller Skandale, Kämpfe und Meilensteine. Capital erinnert an die besten. Diesmal: die Fusion von Daimler und Chrysler

Daimler und Chrysler © Illustration: Jindrich Novotny / Foto: Getty Images
Die Auto-Ehe zwischen Daimler und Chrysler wurde schon bald wieder geschieden

Man nehme: einen hochprofitablen Edelanbieter mit deutschem Spitzen-Know-how und Spitzenreputation. Dazu einen hochprofitablen US-Massenproduzenten mit breiter Produktpalette und Erfahrung im radikalen Kostensenken. Außerdem einen Globalisierungsboom, der künftige Größenvorteile in völlig neuer Dimension verheißt.

Man verschmelze also Daimler-Benz und Chrysler zum fünftgrößten Autohersteller der Welt – was soll bei einer solchen Traumfusion noch schiefgehen?

Als der Daimler-Chef Jürgen Schrempp und sein Chrysler-Kollege Robert Eaton Anfang Mai 1998 ihre „Hochzeit im Himmel“ ankündigten, stiegen die Aktienkurse ihrer Unternehmen jeweils um mehr als zehn Prozent. Die deutsch-amerikanische Welt-AG war eine Idee, deren Zeit gekommen schien. Ihre noch offene Flanke in Asien schloss man später durch Beteiligungen an Mitsubishi und Hyundai.

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Es war die bis dato größte Fusion der deutschen Geschichte. Doch der Ärger begann schon nach wenigen Monaten: Enttäuschende Zahlen, sinkender Börsenwert, Rivalitäten in der Führung. Die Amerikaner müssen weichen, deutsche Manager übernehmen in Detroit. Schrempp hatte Gleichberechtigung versprochen, aber im Herbst 2000 erzählt er Journalisten, dass der „Merger of Equals“ stets als Übernahme geplant war. US-Aktionäre verklagen ihn.

Längst ist unter dem schönen Lack der Chrysler-Bilanzen übler Kapitalfraß aufgetaucht, eine Rezession bringt hohe Verluste. Von gemeinsamen Produkten redet bald kaum noch jemand, das offiziell „erste Kind der Fusion“ kommt erst 2003: der Chrysler-Roadster Crossfire, der deutsche Technik und US-Design vereint. Aber er ist ein Nischenprodukt. Weder die Kunden noch die Konzernsparten mögen es, wenn Mercedes-Qualität mit Chrysler-Massenware gemixt wird.

Daimlers Nutzfahrzeugvorstand Dieter Zetsche wird als Chrysler-Chef zum Sanierer. Der Deutsche mit dem Riesenschnäuzer tritt schließlich sogar als Comicfigur „Dr. Z“ in der US-Werbung auf.

Doch die Welt-AG funktioniert einfach nicht, Schrempp gilt längst als gigantischer Wertvernichter. Als er im Juli 2005 überraschend seinen Rücktritt ankündigt, macht die Aktie einen Satz nach oben. Neuer Daimler-Chef wird Zetsche, der seine US-Tochter 2007 an Finanzinvestoren abgibt. Heute gehört Chrysler wieder zu einer Welt-AG – mit Fiat.

Hauptperson

Jürgen Schrempp, Jg. 1944, fing als Daimler-Kfz-Lehrling an, besuchte eine Ingenieursschule und machte dann im Konzern Karriere. Anfang der 90er sanierte er die Luftfahrttochter Dasa, als neuer Daimler-Chef zerschlug er 1995 den „integrierten Technologiekonzern“ des Vorgängers Edzard Reuter. Schrempp polarisierte mit starken Sprüchen („Profit, Profit, Profit!“), wurde erst als Macher gefeiert, dann als Rambo verflucht. Nach seinem Abgang 2005 zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück.

 

Western von Gestern erscheint jeden Monat in Capital. Weitere Folgen: Merck gegen MerckDas Ende der Neuen HeimatAufstieg und Fall der Citigroup, Der Crash der Metallgesellschaft, Der Untergang der Siemens-Handys, Falke demütigt Kunert, Ampere gegen Eon, Mein Rolls, Dein Royce, Boeings Wahnsinnsvogel 747, Der Nixdorf-Absturz und Übernahmekampf zwischen Pirelli und Continental

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