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Crash der Generationen

, Anne Weitzdörfer

In den Unternehmen stößt die neue Generation der Millennials auf die Generation Burn-out. Es ist für beide Seiten nicht immer leicht. Von Anne Weitzdörfer

Zwei Hände stoßen zusammen
Zu Glück nichts Ernstes: Im Beruf treffen unterschiedliche Generationen aufeinander – nicht immer läuft es reibungslos

Anne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der BerufsweltAnne Weitzdörfer begleitet als Beraterin und Coach seit vielen Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Hier schreibt sie jeden Monat über Themen aus der Berufswelt

 


Hannes ist Ende 20, er hat einen kleinen Sohn und arbeitet als IT-Entwickler in einer Agentur. Seine Chefin Yvonne ist mit 37 nur wenige Jahre älter und doch trennen die beiden Welten. Bevor sie in die Agentur gewechselt ist, war sie in einer IT-Beratung, hat 14 Stunden pro Tag gearbeitet und sich regelmäßig über ältere, unflexible „Das haben wir schon immer so gemacht“-Sager geärgert. Und heute? Sie mag Hannes und verzweifelt doch an ihm. Es ist ein Zusammenstoß der Generationen.

Die „Millennials“ aus der Generation Y sind in den Achtzigern geboren und gelten als selbstbewusst und verwöhnt. Ganz anders als die Jahrgänge davor („Generation Burn-out“), die für ihre pflichtbewusste und angepasste Art bekannt sind.

Die letzte Woche war typisch für Hannes und Yvonne und sah ungefähr so aus: Montag kam Hannes gegen 11 Uhr ins Büro, er ist nicht so der Morgenmensch. Um 17 Uhr musste er mit dem Kleinen zum Schwimmkurs. Dienstag gab’s Aufregung in der Kita, weil sein Sohn von der Rutsche gefallen war. Hannes begleitete seine Freundin mit dem Kleinen zum Arzt. Zum Glück nichts Ernstes, er hat dann abends noch ein bisschen zu Hause gearbeitet. Mittwoch lief störungsfrei. Donnerstag kamen die Handwerker, deswegen blieb er im „Homeoffice“. Die Deadline am Freitag hielt er trotzdem.

Capital 10/2015
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Für Yvonne sah das Ganze so aus: Als sie sich am Montag nach zwei konzentrierten Stunden einen Kaffee holte, war der Schreibtisch von Hannes immer noch leer. Dass er am Dienstag hastig zum Arzt geeilt ist, bekam sie nur zufällig mit, weil zwei Kollegen sich darüber unterhielten. Die aufkeimende Wut schluckte sie herunter. Als Hannes am Donnerstag eine lapidare SMS schickte, dass er zu Hause arbeitet, hat Yvonne nicht geantwortet, weil sie nicht wusste, wie. Nachts lag sie wach und überlegte, wie sie reagieren soll, wenn er die Deadline nicht hält. Um dann am Freitag festzustellen, dass der ganze Stress umsonst war und das Release termingerecht „geshippt“ werden konnte.

Generation Burn-out vs. Generation Y. Stark vereinfacht gesprochen versuchen die einen, mit gegebenen Mitteln das Maximum für das Unternehmen zu erzielen. Die anderen erreichen das geforderte Ergebnis mit minimalem Aufwand. Und genießen ansonsten ihr Leben. Ist das so falsch? Ich glaube nicht. Und dennoch ist die Zusammenarbeit für beide extrem anstrengend.

Wenn wir alle die nächsten Jahre ohne Magengeschwür überleben wollen, müssen wir uns darauf einlassen, dass da eine neue Generation mit eigenen Werten und Ansichten in die Unternehmen kommt. Das heißt auch, alte Gewohnheiten, Routinen und Erwartungen zu hinterfragen. Denn man kann auch schon mit Ende 30 schneller zu einem „Das haben wir schon immer so gemacht“-Sturkopf werden, als man mit Ende 20 gedacht hätte.

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