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Clemens Fischer über seine erste Million

, Ines Zöttl

Clemens Fischer, Chef von Dr. Fischer Gesundheitsprodukte, hatte seine erste Million mit 30 zusammen.

Clemens Fischer © Jens Schwarz
Clemens Fischer

Clemens Fischer, 40, hat Medizin und Betriebsökonomie studiert und stieg danach in die Geschäftsleitung von Novartis auf. Er hat mehrere Unternehmen im Bereich Pharma und Functional Food gegründet. Seine Firma Naturwohl Pharma wurde gerade für einen dreistelligen Millionenbetrag verkauft.


Capital: Herr Fischer, Sie sind 40 Jahre alt, haben gerade Ihre siebte Firma verkauft und Millionen verdient. Wann setzen Sie sich zur Ruhe?

Fischer: Nie. Wie ein Surfer suche ich nach der perfekten Welle. Dem großen Ding.

Haben Sie deshalb 2008 Ihren Managementjob bei Novartis gekündigt und sich selbstständig gemacht?

Im Konzern wird man dafür belohnt, Nein zu sagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein neues Medikament Erfolg hat, liegt bei zehn Prozent. In der Logik der meisten Leute heißt das, wenn ich Nein sage, habe ich zu 90 Prozent recht. Ich bin überzeugt, dass man etwas wagen muss, um zu gewinnen.

Wo hatten Sie das Startkapital her?

Ich hatte ein Arztbewertungsportal entwickelt, das Novartis gekauft hat.

Ihre Firma Dr. Fischer Gesundheitsprodukte ist rasant zu einem der Top-Anbieter rezeptfreier Arzneien in Deutschland aufgestiegen.

Ja, das klingt schön so. Aber erst einmal haben wir jeden Fehler gemacht, den man machen kann. Am Anfang denkt man, man kann allein alles besser. Aber dem ist leider nicht so.

"1 Mio. ist nicht so viel"

Das erste Produkt war eine Immunkur. Was lief schief?

Alles. Etwa im Marketing: falsche Zielgruppe, falsche Botschaft, falscher TV-Sendeplatz. Meine Kollegin und ich haben gearbeitet wie verrückt. Und gesehen, wie das Geld trotzdem schwindet und schwindet. Man dreht da fast durch. Wenn wir in den Biergarten sind, haben wir uns nicht mal mehr ein Schnitzel geleistet.

Capital 10/2015
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Was hat den Turnaround gebracht?

Viel Arbeit und viele schlaflose Nächte. Mein Tipp für Gründer: Geht erst mal zu einem Start-up und lernt dort aus euren Fehlern.

Wann war Ihre erste Million da?

Meine erste Firma hatte ich ja schon mit 17 gegründet – also so ungefähr, als ich 30 war.

Sie erinnern sich nicht mehr?

Mancher denkt vielleicht, das ist abgehoben. Aber 1 Mio. ist nicht so viel, wenn Sie etwas Größeres aufbauen wollen.

Genug für ein schönes Leben.

Geld verschafft mir keine Befriedigung, sondern nur mehr Sicherheit für das nächste Projekt.

Was für ein Auto fahren Sie?

(lacht) Verschiedene. Ich gönne mir schon mal etwas. Ich fliege leidenschaftlich gern Hubschrauber. Aber ich habe mal drei Monate in Kapstadt nichts gemacht. Das hat mich fast umgebracht. Mein Hobby ist die Arbeit.

Sie haben Medizin studiert. Warum sind Sie nicht Arzt geworden?

Meine Mutter wollte, dass ich etwas Anständiges studiere. Sie war Krankenschwester.

Chefärzte sind in Deutschland angesehen, Reichtum nicht.

Es ist der Erfolg, der nicht angesehen ist. Dabei ist es doch so: Ideen gibt es wie Sand am Meer. Den Mut, sie umzusetzen, haben aber wenige.

Wird man eigentlich zum Unternehmer geboren?

Vielleicht prägt die Kindheit. Ich habe schon als Siebenjähriger Möhren aus unserem Keller verkauft.

Und wie werden Sie die perfekte Welle finden?

Dafür gründe ich nun einen Start-up-Inkubator. Und hole mir die besten Talente. 


Meine erste Million
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Internetunternehmer Fabian Heilemann 
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Scanhaus-Chef Friedemann Kunz
Lichtblick-Gründer Heiko von Tschischwitz
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