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CDU-Wirtschaftsrat brüskiert Draghi

, Timo Pache

Der CDU-Wirtschaftsrat wollte EZB-Chef Draghi für seinen Einsatz in der Euro-Krise auszeichnen, zog die Ehrung aber wieder zurück. Der Eklat belastet auch das Verhältnis zu Bundesbank-Chef Weidmann. 

Mario Draghi © Laif
EZB-Chef Mario Draghi: Seine Politik ist in Deutschland umstritten

Der CDU-Wirtschaftsrat hat nach Capital-Informationen eine schon zugesagte Ehrung für den Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, kurz vor der Verleihung wieder zurückgezogen. Der Präsident des Wirtschaftsrats, Kurt Lauk, hatte Draghi ursprünglich beim traditionellen Jahrestreffen Anfang Juli in Berlin für seinen Einsatz in der Euro-Krise mit der Ludwig-Erhard-Gedenkmedaille in Gold auszeichnen wollen. Wenige Wochen vor der Veranstaltung musste Lauk Draghi allerdings mitteilen, dass er für seine Idee keine ausreichende Unterstützung im Präsidium des Wirtschaftsrats erhalten habe. Dies berichteten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen Capital.

Ein Sprecher des Wirtschaftsrats bestätigte die Informationen grundsätzlich, sprach aber von „Vorsondierungen“. Nach internen Diskussionen habe sich der Verband gegen Draghi entschieden. „Der Vorschlag, Herrn Draghi auszuzeichnen wurde für verfrüht gehalten, weil die Finanzkrise noch nicht beendet ist“, erklärte der Sprecher.

Spannungen zwischen Draghi und Weidmann

Das Hin und Her ist ein Beleg für die Ablehnung, die Draghi und seinem geldpolitischen Kurs in großen Teilen der deutschen Wirtschaft entgegenschlägt. Im CDU-Wirtschaftsrat sind nach eigenen Angaben rund 11.000 Manager und Unternehmer engagiert. Zum jährlichen Wirtschaftstag kommen regelmäßig weit über 2500 Gäste, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, etliche Vorstandschefs deutscher Konzerne und ausländische Staatsgäste. Seit 2003 verlieh der Wirtschaftsrat bei dieser Gelegenheit auch jedes Jahr die Erhard-Gedenkmünze – etwa 2007 an Draghis Vorgänger Jean-Claude Trichet. Dieses Jahr wurde die Münze dagegen gar nicht vergeben.

Capital 08/2014
Die neue Capital

Die Absage schürte auch neue Spannungen zwischen Draghi und dem Präsidenten der Bundesbank, Jens Weidmann. Nach Capital-Informationen macht Draghi Weidmann zumindest mitverantwortlich für die Absage des Preises. Demnach informierte Lauk auch Weidmann früh darüber, Draghi auszeichnen zu wollen, und fragte ihn ebenfalls als Festredner für die Veranstaltung an. Ein Führungsmitglied des Rats behauptet, Weidmann habe anschließend versucht, Einfluss auf die Beratungen im Präsidium des Wirtschaftsrats zu nehmen. Weidmanns Sprecher wies diesen Verdacht allerdings scharf zurück. „Er hat definitiv nicht interveniert“, sagte Bundesbank-Sprecher Michael Best. „Wer etwas anderes behauptet, verbreitet Lügenmärchen.“ Auch der Sprecher des Wirtschaftsrats wies diese Darstellung zurück. Die EZB wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern.

Beim Wirtschaftstag 2013 hatte sich Draghi ausdrücklich in eine Linie mit Ludwig Erhard gestellt und erklärt, einziges Ziel der Europäischen Zentralbank seien stabile Preise in ganz Europa. Diesem Ziel diene auch der 2012 beschlossene, aber nie angewandte Aufkauf von Staatsanleihen klammer Euro-Staaten. Dieses so genannte OMT-Programm ist in Deutschland hoch umstritten, Bundesbank-Präsident Jens Weidmann lehnt es bis heute strikt ab.

Nach dem Rückzug der Auszeichnung verzichtete Draghi in diesem Jahr auf einen erneuten Auftritt beim Wirtschaftstag. Offiziell wurde die Absage mit Terminschwierigkeiten begründet. Weidmann nahm dagegen an dem Treffen teil und zog in seiner Rede Parallelen zwischen der Geldpolitik und Seifenopern.

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