• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Exklusiv

Casio gibt Kameramarkt in Europa auf

, Horst von Buttlar

Weil das Geschäft derzeit nicht profitabel ist, verkauft Casio in Europa keine Digitalkameras mehr. Doch es soll ein Comeback geben.

Display der Casio Exilim EX-ZR 800 © Casio
Ausgeknipst: Casio verkauft in Europa vorerst keine Digitalkameras mehr

Der japanische Elektronikhersteller Casio gibt sein Geschäft mit Digitalkameras in Europa vorübergehend auf. „Das Geschäft mit Digitalkameras lässt sich für uns in Europa derzeit nicht profitabel betreiben“, sagte Hiroshi Nakamura, Member of the Board of Directors bei Casio Capital. „Wir ziehen uns aber nicht komplett aus Europa zurück. Wir machen nur eine Pause. Wir arbeiten nun an Innovationen. Und wir kommen wieder.“

Casio gilt mit seinem Modell Exilim als einer der Vorreiter bei den kompakten Digitalkameras. Durch den Siegeszug des Smartphones ist das Segment aber vor allem in Europa und den USA stark unter Druck geraten. Das neueste Modell (Exilim Ex FR 10), das in Japan seit vergangenem Herbst auf dem Markt ist, ist in Europa derzeit nicht direkt erhältlich. Casio hatte den stillen Rückzug bisher allerdings nicht offen kommuniziert – die Aussage von Nakamura ist somit die erste offizielle Bestätigung vom Top-Management.

Der Casio-Konzern, der über Jahrzehnte mit Produkten wie dem Handtaschenrechner Casio Mini (1972), der ersten digitalen Armbanduhr mit Taschenrechner (1981) oder der G-Shock-Uhr (1983) Maßstäbe gesetzt hat, hat wie viele andere japanische Elektronikkonzerne eine harte Restrukturierung hinter sich. Der Umsatz hat sich seit 2008 auf rund 3 Mrd, Dollar in etwa halbiert. Durch starke Kostensenkungen, die Konzentration auf den asiatischen Markt und Innovationen in Nischen ist es Casio aber im Gegensatz zu Wettbewerbern wie Sharp gelungen, wieder profitabel zu sein und den Gewinn in den vergangenen Jahren sogar stark zu steigern.

Casio setzt auf Uhren

„Wir haben uns auf einige Segmente konzentriert und versucht, dort innovativer zu sein“, sagte Nakamura im Gespräch mit Capital. „Wir mussten einige bittere Lektionen lernen und haben harte Entscheidungen getroffen. So haben wir uns aus einigen Segmenten komplett zurückgezogen, 2011 etwa aus dem Geschäft mit LCD-Fernsehern und Smartphones.“ Als Beispiel für Innovationen in der Nische nannte er den Trend zu Selfies. „Casio hat eine spezielle Selfie-Kamera entwickelt, die ein großer Erfolg war. Wir können also schnell neue Produkte auf den Markt bringen, um die Leute zu faszinieren.“

Casio setzt künftig auf das Uhren-Segment – vor allem mit seinem erfolgreichen Modell G-Shock. „Wir wollen weiter im Uhrengeschäft wachsen, das zwischen 30 und 40 Prozent unseres Umsatzes ausmacht, vor allem in Japan und Asien. Wir setzen hier künftig stärker auf das Premiumsegment, so Nakamura.

Den Angriff von Apple mit der Apple Watch sieht er gelassen. „Apple will zwar mehr bieten als die Konkurrenz, setzt sehr auf Design und Mode, aber der Ansatz ähnelt doch dem von Samsung und deren Smartwatch Galaxy Gear, die kein großer Erfolg war. Das klingt alles interessant, aber ich mache an die Pläne mal ein Fragezeichen“, so Nakamura.

Das Interview mit Hiroshi Nakamura ist Bestandteil der Titelgeschichte der Juli-Ausgabe von Capital: Die Kunst des Comebacks. Die Aufstiege und Pleiten großer Unternehmen bewegen die Wirtschaft – manchen gelingt nach einer Krise die Wende, anderen nicht. Wie schafft man den Turnaround? Capital analysiert sieben spannende Comeback-Geschichten – und zieht Lektionen daraus: Blackberry, Starbucks, Casio, Dell, Fujifilm, Märklin und Cewe Color

Cover der Capital-iPad-App

Die neue Capital erscheint am 18. Juni. Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.


Artikel zum Thema
Autor
  • Thema
33 überraschende Fragen zum autonomen Fahren

Irgendwann werden wir als Autofahrer nicht mehr gebraucht. Und dann? Diese Fragen haben Sie sich bestimmt noch nicht gestellt.MEHR

  • Unternehmen
Wie Sioux den Grashopper wiederbelebt

In den 60er-Jahren war Sioux eine Kultmarke. Vor einigen Jahren stand der Schuhhersteller vor dem Aus. Bis ein junger Investor kam.MEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.