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Braucht Deutschland die Olympischen Spiele?

, Hayek/Keynes

Jahrzehntelang stritten Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes über den Konflikt zwischen Staat und Markt. Diesmal: Braucht Deutschland die Olympischen Spiele?

Hayek und Keynes © Jindrich Novotny
Streithähne: Friedrich August von Hayek (l.) und John Maynard Keynes

Sehr geehrter Herr Keynes,
mit Unbehagen musste ich jüngst den Enthusiasmus der Deutschen über Hamburgs Olympiabewerbung beobachten. Diese armen Tröpfe! Ihnen ist nicht klar, dass die Politik hier nur wieder eine neue Geldverbrennungsmaschine errichtet. Übrig bleiben am Ende nur ungenutzte Straßen und Stadien. In diesem Fall geben Sie mir wohl ausnahmsweise recht?
Ihr F. A. Hayek

Werter Herr Hayek,
dass Sie als Denker kein Sportfan sind, war mir klar. Aber den wirtschaftlichen Nutzen solcher Spiele können Sie doch nicht leugnen, egal wie viele Löcher man für Stadien aushebt. Investitionen kann Hamburg leider ebenso gebrauchen wie manche Schwellenländer. Schließlich sorgen Ihre Anhänger in der deutschen Regierung dafür, dass der Staat nichts mehr investiert. Da ist ein kleiner Stubser durch eine Sportveranstaltung hilfreich. Herzlichst,
Ihr John Maynard Keynes

Capital 05/2015
Die neue Capital

Sehr geehrter Herr Keynes,
mit Verlaub: kleiner Stubser? Wir reden im Falle Hamburgs von über 2 Mrd. Euro! Ein besseres Symbol für den Irrsinn politischer Prestigesucht als Olympische Spiele gibt es nicht. Vielleicht sollte man das Ganze keynesianische Spiele nennen.
Ihr F. A. Hayek

Lieber Herr Hayek,
warum nicht? Schon in meiner „Allgemeinen Theorie“ schrieb ich, man solle große Paläste, Kathedralen und Pyramiden bauen. Diese Investitionen sind nie schädlich, weil sie andere nicht verdrängen. Und schaffen nebenbei Arbeitsplätze!
Ihr JMK

Sehr geehrter Herr Keynes,
Ihre Arbeitsplätze sind ein Trugschluss! Das Wachstum erhöht sich nach solchen Veranstaltungen kaum. Das zeigen zahlreiche Studien.
Ihr F. A. Hayek

Ach Hayek,
es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet ich Sie auf langfristige Effekte hinweisen muss. Auch dazu gibt es Studien: Der olympische Effekt stellt sich erst ein, wenn Sie die Sache auf Jahre hinaus betrachten. Nehmen Sie München. Oder Barcelona! Die Spiele 1992 führten zu besserem Image, mehr Investoren und doppelt so vielen Touristen.
Muchos saludos, John M.

Verehrter Herr Keynes,
es mag solche Zufallstreffer geben. Doch generell scheint mir die Chance höher, dass die Politiker einfach Geld verschwenden. Sie vergessen nämlich den olympischen Effekt auf den Haushalt: Montreal leidet bis heute an den Folgen von den Spielen 1976, die man sich gar nicht leisten konnte. Jahrzehntelang mussten dort Schulden abbezahlt werden. Und ein an-deres Beispiel ist brandaktuell. Oder haben Sie etwa vergessen, wo 2004 die Spiele stattfanden? Ich helfe den ausgegrabenen Löchern in Ihrem Gedächtnis gerne auf den Sprung: Das war in Athen!
Gez. Hayek

 

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