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Betrüger fälschen Oligarchen-Website

, Jens Brambusch

Rip-Dealer erbeuten Millionen von deutschen Opfern. Sie treten unter anderem als Sohn des russischen Oligarchen Viktor Vekselberg auf.

Viktor Vekselberg © Ullstein Bild
Viktor Vekselberg gilt als reichster Mann Russland. Betrüger haben die Website seines Unternehmens gefälscht

Betrüger geben sich als Sohn des russischen Oligarchen Viktor Vekselberg und Mitarbeiter von dessen Firmengruppe Renova aus. Der Oligarch gilt als der vermögendste Russe. Auf der Forbes-Liste der reichsten Männer weltweit rangiert er auf Platz 52. Wie Capital in seiner neuen Ausgabe berichtet, treten sogenannte Rip Dealer derzeit unter dem Namen Leonhard Vekselberg in Kontakt zu Geschäftsleuten und bahnen Geschäfte an. Rolf Schatzmann, Sicherheitschef der Renova-Firmengruppe, sind mehrere Fälle bekannt, in denen die Täter Summen jeweils zwischen 75.000 und 160.000 Euro erbeuteten. Auch weitere gefälschte Firmen-Websites lassen sich direkt zu den Betrügern zurückverfolgen.

Renova sind juristisch die Hände gebunden. "Wir haben Anzeige wegen Urheberrechtsverletzung gestellt", sagt Schatzmann. "Viel mehr können wir erst mal nicht tun. Wir sind ja nicht direkt geschädigt." Es gehe lediglich um die Verletzung des Copyrights, weil die Betrüger das Firmenlogo benutzen. "Wir haben beim Server in Serbien beantragt, die Seite sperren zu lassen", sagt Schatzmann. "Bislang ist aber nichts geschehen." Renova fürchtet einen Imageverlust und arbeitet deshalb mit einem deutschen Privatermittler zusammen, der bereits seit längerem Jagd auf die Rip Dealer macht.

Laut Sicherheitschef Schatzmann haben die Betrüger die Firmenwebsite von Renova kopiert und unter der falschen Adresse www.renova-group.co.uk ins Netz gestellt. Die Seite ist nahezu identisch mit der echten Firmenpräsenz. Lediglich im Bereich "Management" taucht der falsche Leonhard Vekselberg auf, der sich als Sohn des Oligarchen ausgibt. Die angegebene Kontaktadresse in London ist fiktiv.

100 Mio. Euro Schaden pro Jahr

Hinter dem vermeintlichen Leonhard Vekselberg verbergen sich sogenannte Rip-Dealer: Betrüger, die ihren Opfern ein lukratives Geschäft vorgaukeln, für das diese nach einer langen, geschickten Anbahnung Bargeld, Gold oder Edelsteine zu einem Treffen im Ausland mitbringen sollen. Dort wird den Opfern das Geld brutal entrissen. Daher der Name: vom englischen "to rip" - entreißen.

Der deutsche Privatermittler Josef Resch von der Wirtschaftsfahndung Wifka ist den Betrügern auf der Spur. Geprellte Opfer haben insgesamt 1,3 Mio. Euro Belohnung ausgesetzt, um den Tätern das Handwerk zu legen. Auf seiner Website wifka.de hat Resch von den Tätern benutzte Pseudonyme aufgelistet. Fast täglich melden sich neue Opfer bei ihm, die auf die Masche der Rip Dealer reingefallen sind.

Die Polizei spricht von organisierter Kriminalität, von gewerbsmäßigem Bandenbetrug, von Familienclans aus Ex-Jugoslawien mit europaweiten Netzwerken. Die Schadenssumme liegt meist zwischen 100.000 und 300.000 Euro pro Fall, es wurden aber auch schon einmal 10,5 Mio. Euro geraubt. Von über 100 Mio. Euro Schaden pro Jahr geht die Polizei allein bei deutschen Opfern aus - und die Täter arbeiten international.

Strafverfolgung ist äußerst schwierig

Wahrscheinlich ist die Summe sogar deutlich höher. Auf einen angezeigten Fall kämen wahrscheinlich zehn bis 20, die ungemeldet bleiben. Viele Opfer scheuen den Weg zur Polizei aus Scham oder weil sie sich auf ein unlauteres Geschäft einlassen wollten. Das ist das Kalkül der Rip-Dealer. Dazu schlagen die Täter meist Devisen-Tauschgeschäfte vor, machen keinen Hehl daraus, dass es sich um Schwarzgeld handele. Oder sie gaukeln ein großes Investment vor, verlangen aber das Eigenkapital des vermeintlichen Partners in bar oder eine Gebühr für einen Vermittler. Dieses Geld wird dann gestohlen.

Die Täter nutzen sehr geschickt die unterschiedlichen Rechtsräume, indem sie dort agieren, wo sie mit der geringsten Strafe bei Betrug zu rechnen haben wie beispielsweise in Italien. Eine Strafverfolgung ist äußerst schwierig, da die Opfer aus Deutschland stammen, die Täter aus Serbien und der Tatort in Italien liegt. Den Tätern attestiert die Polizei ein "geschicktes und sprachgewandtes Auftreten", um sich das Vertrauen der Opfer zu erschleichen.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der neuen Capital, die am 21. November erscheint. Hier finden Sie eine Vorschau auf die neue Ausgabe.

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