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Anklage gegen Goldschwindler

, Jens Brambusch

In einem der spektakulärsten Anlagebetrugsfälle der Hauptstadt hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Es geht um tonnenweise Falschgold

Nicht alles, was glänzt, ist Gold. Diese Binsenweisheit haben tausende Anleger schmerzhaft lernen müssen © Getty Images
Nicht alles, was glänzt, ist Gold. Diese Binsenweisheit haben tausende Anleger schmerzhaft lernen müssen

Ein Jahr nach dem spektakulären Fund von mehreren Tonnen Falschgold hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die Verantwortlichen der Berliner Wirtschafts- und Finanzstiftung (BWF) erhoben. Das erfuhr das Wirtschaftsmagazin Capital (Ausgabe 04/2016, ET 17. März) aus Berliner Justizkreisen. Der Vorwurf lautet auf gewerbs- und bandenmäßigen Betrug. Die Höchststrafe liegt bei zehn Jahren Haft.

Zwischen August 2011 und Januar 2015 hatte die BWF-Stifung von rund 6 500 Kleinanlegern mehr als 57 Mio. Euro eingesammelt und angeblich in Gold angelegt. Bei einer großangelegten Razzia mit 120 Beamten an 19 Objekten stellten die Ermittler vor einem Jahr in dem Tresorraum einer Villa in Berlin-Zehlendorf zwar rund vier Tonnen an goldenen Barren sicher. Tests der Bundesbank ergaben allerdings, dass nur 324 Kilogramm echt waren. Das entspricht einem Wert von etwa 11 Mio. Euro. Der Rest war Füllmaterial, hauchdünn mit Gold überzogen – oder mit Farbe besprüht.

222 Seiten Anklageschrift

Ein Behördensprecher bestätigte, dass die 222 Seiten dicke Klageschrift Mitte Februar den Beschuldigten zugestellt wurde. Jetzt muss das Gericht prüfen, ob es die Anklage zulässt. Doch daran besteht kaum ein Zweifel. Derweil sitzen drei der sechs Beschuldigten in Untersuchungshaft, darunter ein Ehepaar, das als Kopf des Netzwerkes um die BWF-Stiftung gilt, und zuletzt in der Villa in Zehlendorf gelebt hat.In dem Anwesen hatte auch die BWF-Stiftung ihren Sitz. Im Keller war der riesige Tresor. Ein vierter Angeschuldigter erhielt Haftverschonung.

Die BWF-Stiftung hatte ihr Konzept in Hochglanzprospekten beworben. Anlegern bot sie an, krisensicheres Gold zu erwerben. Das Besondere: Das Gold sollte die BWF kostenfrei einlagern, um es dann nach einer vertraglich festgelegten Laufzeit zu einem garantierten Rückkaufpreis auszuhändigen – unabhängig vom Goldkurs. Bis zu 180 Prozent Rendite wurden garantiert. Die, behauptete die BWF, wolle sie erwirtschaften, indem sie Handel mit Juwelieren betrieb. Denn Juweliere, so die Mär, würden oft nicht schnell genug an Gold für ihren Schmuck kommen, weshalb sie bereit seien, mehr als den üblichen Goldpreis zu zahlen.

Goldbarren-Dummys für 309.000 Euro

Bei den sichergestellten Dokumenten fanden die Ermittler auch eine Rechnung über 309.000 Euro, ausgestellt von einer Firma im Schwarzwald, die in China Goldbarren-Dummys hat herstellen lassen. Der vorgetäuschte Wert: 122 Mio. Euro. Der Rechnungstext wurde frisiert. Worte wie „Dummy“, „Kupfer“, „Zink“ oder „zu Werbezwecken“ wurden verändert. Dann wurde die Rechnung unter „Betriebskosten“ abgerechnet. Anscheinend sollte sie von der Steuer abgesetzt werden.


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