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"Skat spielen füllt Sie nicht aus"

, Monika Dunkel

Wie lange wir arbeiten, ist das Titelthema der aktuellen Capital-Ausgabe. Und eine Frage, die auch den Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky umtreibt.

© Getty Images
"Kanzler oder Minister dürfen weiter machen, bis die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen wird" - nur Kommunalpolitiker müssen mit 65 Jahren in den Ruhestand. Das hält Buschkowsky für Unfug

Sie werden Ende Juli 66 Jahre. Als Bürgermeister müssten Sie jetzt eigentlich in Rente.
Buschkowsky: Der Kommunalpolitiker gilt mit 65 Jahren als verbraucht und ausgebrannt. Er muss Kraft Gesetzes in den Ruhestand. Kanzler oder Minister dürfen weiter machen, bis die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen wird oder ihre Partei sie nicht mehr aufstellt. Wenn sie sich das denn traut. Was aber ist, bitte schön, an der Arbeit eines Bundeskanzlers so viel relaxter und entspannter als an der eines Bürgermeisters?

Und haben Sie eine Antwort?
Buschkowsky: Nein, da wird mit zweierlei Maß gemessen.

Wieso dürfen Sie eigentlich noch weiterarbeiten?
Buschkowsky: Bei meiner Wiederwahl war ich noch unter 65 Jahren, daher kann ich bis zum Ende der Wahlperiode in 2016 im Amt bleiben.

Starre Altersgrenzen sind also überholt?
Buschkowsky: Mich stört, dass die Gesellschaft äußerst ambivalent im Umgang mit Älteren ist. Einem über 70-Jährigen vertraut man das Management eines Milliarden-Projektes an, wovon er eigentlich nicht so richtig Ahnung hat, und woran Jüngere bereits gescheitert waren. Andererseits werden topp fitte Fachleute, die etwas von ihrem Job verstehen, in die Zwangspension geführt. Immer, wie es gerade passt.
Natürlich ist auch nicht jeder Körper gleich und nicht jeder Job verschleißt wie ein anderer. Der eine will noch weitermachen, der andere hat die Nase voll. Also, lass dem Kind doch seine Bulette. Wer will, soll dürfen.

Kein bisschen Amtsmüde?
Buschkowsky: Natürlich bin ich keine 30 mehr. In meinem Alter spürt man den Kräfteverzehr schon deutlich. Die Akkus brauchen auch länger, um sich wieder aufzuladen. Aber bei einem solchen Job füllt Sie Skat spielen im Park nicht aus.

Spielt hier Geld für Sie eine Rolle?
Buschkowsky: Nein. Finanziell bringt mir mein Engagement nicht viel. Nach 49 Dienstjahren habe ich den Höchstsatz meiner Versorgung lange erreicht. Ich glaube, ich bin der einzige Staatsdiener im Rathaus, der für 25 Prozent des Gehaltes arbeitet.*

Die Bundesarbeitsministerin, Ihre Parteikollegin Andrea Nahles, hat die Rente mit 63 durchgesetzt.
Buschkowsky: Mit Blick auf die demografische Entwicklung ist sie mathematischer Unfug, eine Reform wider besseres Wissens, eine Politik zur Befriedung des politischen Moments. 2030 wird in etwa auf jeden Erwerbstätigen ein Rentner kommen und 2050 werden 50 Prozent der Bevölkerung Ruheständler sein. Die Erwerbsphase wird sich verlängern, nicht verkürzen. Sonst wird’s nix mehr mit dem Generationenvertrag. Die Rente wird immer weniger beitragsbasiert, sondern immer mehr steuerfinanziert sein. Also Alters-Hartz IV mit Beitragsaufstockung.

Und irgendwelche Pläne für den Ruhestand?
Buschkowsky: Nein, das ist mir in meinem Alter zu riskant. Einen Traum hätte ich schon. Ich wollte schon immer mal die Pinguine in der Antarktis besuchen. Die können im ewigen Eis nur überleben, weil sie sich eisern an die ihnen gegebenen Regeln hielten. Das fasziniert mich und das ist es, was ich in unserer heutigen übersatten Gesellschaft vermisse. Doch vermutlich wird die Reise ein Traum bleiben.

* Als Pensionär würde Herr Buschkowsky ca. 75 Prozent seines Gehaltes erhalten. Das heißt, dadurch das er weiterarbeitet, arbeitet er für 25 Prozent seines Gehaltes.

Die vollständige Geschichte über unsere Lebensarbeitszeit finden Sie in Capital 8/2014 (erschienen am 24.7.2014). Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten. 


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