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Adieu, iPhone

, Georg Dahm

Wir alle brauchen ständig neue Technik. Wir alle führen ein zweites Leben im Netz. Georg Dahm lotst uns durch den digitalen Dschungel. Diesmal geht es um Alternativen zu iPhone und Android.

Jolla Smartphone © Jolla
Neustart: Aus Finnland kommt das Jolla-Smartphone

Es ist wohl besser, wenn Sie es von mir erfahren: Ich bin gar kein richtiger Technikkolumnist. Das zeigt sich an der Leidenschaftslosigkeit, mit der ich die Einführung neuer iPhone-Modelle verfolge. Keine Regung angesichts des iOS7-Aufruhrs: Batterielaufzeit mies! Icons doof! Animationen machen seekrank! (Ja, ja, bei der Einführung der Dampflok meinten auch viele, das Höllentempo werde Körper zu Brei zerstoßen.) Der Fairness halber sei erwähnt, dass neue Android-Flaggschiffe mich ähnlich kaltlassen.

Der Grund meiner Teilnahmslosigkeit ist, dass ich auf wirklich wichtige Neuerungen warte. Und die liegen nicht in den Leistungsdaten ständig neuer Modelle, die Hersteller wie Sony in absurden Mengen ausschwitzen. Sie liegen auch nicht darin, dass Apple und Android mal mehr, mal weniger geschickt an der Benutzeroberfläche schrauben. Ich warte darauf, dass das Smartphone endlich der Rolle gerecht wird, die es heute eben hat: des Computers in der Tasche, des ersten Arbeits- und Internetgeräts. Diesen Computer möchte ich nicht komplett einem undurchsichtigen Konzern ausliefern. Ich will auch sichergehen, dass sein Betriebssystem immer auf dem neuesten und sichersten Stand ist. Bei vielen der billigen Android-Geräte passiert das eben nicht.

© Jindrich Novotny
Georg Dahm ist Technik- und Wissenschaftsjournalist

Ein erster Schritt in die richtige Richtung kommt daher in Form eines billigen Plastiktelefons, das ich in den wenigen Tagen unserer Zusammenarbeit mehrmals an die Wand schmeißen wollte: Das Alcatel One Touch Fire hat die schneckige Leistung und den Grieselbildschirm eines Grabbeltisch-Geräts, aber das sei ihm verziehen: Es soll ja Einsteiger ansprechen. Durch den Preis. Und durch die Aussicht, sich nicht dem Regime von Google, Apple oder Microsoft auszuliefern.

Firefox, Ubuntu und Sailfish

Mit dem One Touch Fire verkauft die Telekom-Tochter Congstar seit Oktober 2013 das erste Smartphone mit dem Betriebssystem Firefox. Der gleichnamige Browser beendete einst die Vormachtstellung des Internet Explorers. Firefox OS soll nun die App-Stores entmachten: Apps werden im Web-Standard HTML5 geschrieben, womit sie im Prinzip auf jedem Smartphone laufen können. Allerdings hat der Geist der Freiheit noch nicht viele Entwickler erfasst; es gibt kaum Standardanwendungen wie Evernote.

Diese Blöße will sich das erste Smartphone mit dem Linux-Betriebssystem Ubuntu nicht geben. Wenn der Hersteller Canonical es im nächsten Jahr auf den Markt bringt, sollen die wichtigsten Apps dabei sein. Ubuntu kennt man als sicheres Betriebssystem für PCs. Die mobile Variante soll die gleichen Vorteile haben – und das Smartphone, an Tastatur und Bildschirm gehängt, zum Computer machen. Das beherrscht bislang weder Apple noch Android noch sonst wer.

Die dritte, wirklich interessante Neuheit kommt aus Skandinavien: Das von Ex-Nokia-Mitarbeitern gegründete Start-up Jolla hat noch 2013 die ersten Smartphones mit dem Betriebssystem Sailfish ausgeliefert – erst in China und Finnland, dann im übrigen Europa. App-Sorgen kennen die Finnen nicht: Unter Sailfish sollen auch Android-Apps laufen. Warum dann überhaupt ein Sailfish-Telefon kaufen? Weil das System seine Nutzer nicht in Datensilos zwinge, sagt Sailfish-Evangelist Marc Dillon. „Es grenzt an Erpressung, was Nutzer den Anbietern freigeben müssen.“

Die Kolumne erschien zuerst in Capital 11/2013


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