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„Breaking Bad“ im Internet

, Georg Dahm

Wir alle brauchen ständig neue Technik. Wir alle führen ein zweites Leben im Netz. Georg Dahm lotst uns durch den digitalen Dschungel. Diesmal geht es um Online-Videotheken

Online-Videothek Watchever © Visum

Als Gebührenzahler bin ich stolz darauf, den ZDF-Chefredakteur verärgert zu haben. Kürzlich wohnte ich einer Podiumsdiskussion bei; Dr. Peter Frey (man trägt auf diesen Veranstaltungen volles Titelornat) beklagte dort die maue Quote für den Afghanistan-Zweiteiler „Unser Krieg“. Ich: Zeigt das nicht, dass die Zuschauer vor Mitternacht und außerhalb der Spartenkanäle nichts mehr erwarten? Frey (unwirsch): Nein, das zeigt, dass die Deutschen sich für diesen Krieg nicht interessieren.

Nun ist diese These nicht so absurd wie die des ARD-Unterhaltungschefs, der „Tatort“ sei besser als die US-Serie „Breaking Bad“. Aber insgesamt scheint deutschen Fernsehmachern nicht klar zu sein, wie viele Zuschauer ihr Programm heute woanders suchen.

Absurde Lizenzregeln

© Jindrich Novotny
Georg Dahm ist Technik- und Wissenschaftsjournalist

Zum Beispiel bei der Online-Videothek ­Watchever, die mit der Erstausstrahlung einer internationalen Serie wirbt, dem Emmy-prämierten „The Returned“. Wer „Breaking Bad“ im unvergleichlichen Originalton sehen will, der geht nicht zu Arte, sondern zu ­Maxdome oder iTunes. Online-Videotheken werden langsam auch in Deutschland interessant. Und das, obwohl die Angebote teilweise unausgereift sind und von absurden Lizenzregeln gehemmt werden. Teuer sind sie auch: In HD-Qualität kosten Blockbuster meist 4,99 Euro Leihgebühr, aktuelle Serienfolgen müssen für rund 3 Euro gekauft werden.

Was man für das Geld bekommt, hängt etwa bei iTunes vom Film ab – und davon, wo man ihn sehen will: Auf dem iPad konnte ich ­O-Ton und Untertitel einblenden, bei der Apple-TV-Box an meinem Fernseher nicht. Serien kann man auf dem Apple TV nur von einem Rechner­ streamen, auf dem man sie vorher per iTunes gekauft hat – fehleranfällig und unkomfortabel. Vielleicht erlaubt Apple darum die Online-Videothek Watchever auf der TV-Box. Der deutsche Anbieter macht nämlich fast alles richtig. Für 8,99 Euro Monatspauschale hat der Kunde freien Zugriff auf ein gut sortiertes Programm. Ausländische Titel gibt es im O-Ton, auf dem iPad kann man auch offline schauen. Nachteil: Es fehlen einige aktuelle Titel, und wer auf dem PC schaut, muss mit Rucklern leben.

Trotzdem überzeugt mich das Angebot am meisten, das Sortiment ist deutlich besser als etwa bei der Amazon-Tochter Lovefilm.de. Der Anbieter Maxdome lief auf meinem PC zwar flüssiger, das Angebot ist größer und eine iPad-App gibt es auch. Aber viele aktuelle Titel dürfen nicht auf Mobilgeräte geladen werden – und sind auch nicht im Preis der Monatspauschale enthalten. Verworren sind auch die Abo-Modelle des Konkurrenten Videoload.de.

Immerhin stehen dank all dieser Anbieter die Chancen gut, dass man an einem Regennachmittag irgendwo genau die Folge von „Homeland“ findet, die man jetzt sehen will. Wem das nicht reicht, der kann mithilfe einschlägiger Online-Dienste eine amerikanische IP-Adresse vortäuschen und sich am hierzulande unerreichten US-Vorbild Netflix delektieren. Und ansonsten bleibt ja immer noch Youtube. Da habe ich übrigens auch „Unser Krieg“ gefunden.

Drei Angebote

Wer „Breaking Bad“ im Original ­sehen will, geht nicht zu Arte

Watchever.de

Zwar fehlen einige aktuelle Titel, aber für 8,99 Euro im Monat ist es das beste Leihangebot auf dem Markt. Läuft auch auf Tablets und Smartphones, Apple TV, manchen internetfähigen Fernsehern und ­Spielekonsolen. 


APPLE TV

Apples Mediaplayer zeigt auf jedem Fernseher mit HDMI-Eingang Leihfilme aus dem iTunes-Store. TV-Sendungen müssen von einem Computer im heimischen Netzwerk gestreamt werden – oder man nutzt die vorinstallierte Watchever-App. Kaufpreis: 99,95 Euro

Maxdome.de

Gut sortiert, die Monatspauschale ­(7,99 Euro) gilt aber nicht für alle aktuellen Titel. Apps gibt es für iOS, einige internetfähige Fernseher, Blu-Ray-Spieler, Receiver und Mediaplayer wie etwa den Western Digital TV Live (wdc.com, 75 Euro).

Die Kolumne erschien zuerst in Capital 11/2013


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