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Adidas-Erben schliessen sich zusammen

, Thomas Steinmann

Die Familien des Unternehmensgründers wollen Adi Dasslers Nachlass kontrollieren und auch für eigene Geschäfte nutzen. Mit dem Konzern laufen derzeit Gespräche über die Markenrechte - doch das Management bremst

© Ullstein Bild
Adi Dassler auf einem Foto aus den 70er-Jahren

Die Adidas-Erben wollen sich die Kontrolle über den Nachlass und die Rechte von Unternehmensgründer Adolf Dassler sichern – unter anderem für eigene Geschäfte. Dafür hat sich die Familie nach Jahren der Funkstille wieder zusammengeschlossen. „Die Familie will das Erbe Adi Dasslers bewahren“, sagte Horst Bente, Enkel des Adidas-Gründers, gegenüber Capital. Ziel der Initiative, die seit Monaten im Hintergrund läuft, ist es, Markenrechte etwa für Dasslers Unterschrift schützen zu lassen. Die Anmeldung der Rechte hat der Sportartikelriese jedoch angefochten.

Caital-Cover 06/2016
Die neue Capital erscheint am 19. Mai

Das Engagement der Familie ist ein besonderer Fall. Dass sich Firmenerben nach Jahren der Zurückgezogenheit wieder zusammentun, um gemeinsame Interessen gegenüber einem Konzern zu vertreten, ist in der deutschen Wirtschaft bislang selten vorgekommen. Im Dassler-Clan war es – wie bei vielen anderen Familienunternehmen – nach dem Tod des Gründers 1978 zu heftigem Streit gekommen. Im Jahr 1990 mussten die Erben das angeschlagene Unternehmen verkaufen. Seitdem halten die Familien von Adi Dasslers fünf Kindern, die heute unter anderem in der Nähe von Herzogenaurach, der Schweiz und auf den Bahamas leben, keine Anteile mehr an dem Dax-Konzern.

Die Rechte am Dassler-Erbe waren offenbar nie vollständig geklärt. Erst eine Routinenachfrage von Adidas brachte die Familie auf die Idee, dass der Nachlass einen Wert hat. Seit einigen Monaten führen Vertreter der Erben nach Informationen von Capital nun Gespräche mit dem Adidas-Management.

Ziel sei es, künftig gemeinsam mit dem Unternehmen das Andenken und das Archiv zu pflegen und an gemeinsamen Projekten zu arbeiten, heißt es aus der Familie. Denkbar sei beispielsweise eine Kollektion Adi Dassler. Die Familie müsse aber auch eigene Geschäfte unternehmen dürfen, heißt es weiter. Die Erben verfügen über 7 000 historische Dokumente aus dem Nachlass, darunter Fotos, Briefwechsel zwischen Adi Dassler und seinem Bruder und Puma-Gründer Rudolf sowie Produktskizzen – etwa für den Fußballschuh für die WM 1954 oder für die berühmte Adilette.

Family Office eröffnet, Inkubator geplant

„Wir sind mit Adidas verbunden, ob wir wollen oder nicht. Wir haben eine Gemeinsamkeit, und das ist Adi Dassler“, sagte Dassler-Enkel Bente. Der Familienstamm von Adi Dasslers ältester Tochter Inge Bente, die heute auf den Bahamas wohnt, ist die treibende Kraft hinter der Initiative. Ihr haben sich drei weitere Stämme angeschlossen. Nicht aktiv beteiligt sind die Erben von Adi Dasslers einzigem Sohn Horst.

Die Bentes wollen darüber hinaus den Namen ihres berühmten Vorfahren für weitere Aktivitäten nutzen. Auf den Bahamas wurde bereits das Adi Dassler International Family Office eröffnet, unter der Führung eines früheren Investmentbankers von Pictet. Aktuell verwaltet das Multi Family Office, das unter anderem mit der Deutschen Bank, Julius Bär und Morgan Stanley kooperiert, das Vermögen von zehn Familien. Im Laufe des Jahres sollen es 30 Kunden werden. Zudem soll im Sommer 2017 in Berlin ein Inkubator für Start-ups aus dem Sportbusiness starten.

Für den Inkubator spricht Dassler-Enkel Bente derzeit auf einer Roadshow in Europa, den USA und Südamerika mit potenziellen Investoren. Ziel ist es, von bis zu zehn Partnern mehrere Millionen Euro einzusammeln. Zu den Interessenten gehören namhafte Unternehmer aus der Sportindustrie.

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