Das Erfolgsgeheimnis von
Apple mit dem iPhone beruht im Wesentlichen auf dem Zusammenspiel von Hard- und Software. Auch Konkurrent
Research In Motion schwört für seine Blackberries auf eine eigene Plattform.
Samsung setzt künftig für einen Teil seiner Modellpalette auf eine ähnliche Strategie: Der nach
Nokia zweitgrößte Handyhersteller der Welt hat sein proprietäres Betriebssystem aufgebohrt und es für Entwickler zugänglich gemacht. Seit einigen Wochen ist das Modell namens Wave mit der Bada genannten Oberfläche auf dem Markt.
Eine weiterhin dominante Rolle spielt bei den Südkoreanern das Betriebssystem mit der zurzeit steilsten Wachstumskurve: Der globale Marktanteil von Mobiltelefonen mit der Handyplattform Android von
Google hat sich laut der US-Marktforschungsfirma Gartner im ersten Quartal auf 9,6 Prozent von 1,6 Prozent im Vorjahreszeitraum erhöht. Samsungs neuestes Android-Flaggschiff ist das Modell Galaxy S.
Wir haben uns beide Geräte für einen subjektiven Kurztest vorgenommen - ohne näher auf technische Spezifikationen einzugehen.
Design
Als das "Galaxy S" in der Redaktion eintrifft, zucke ich kurz zusammen: Hat Samsung mir versehentlich ein altes iPhone geschickt? Aber die kurze Irritation klärt sich rasch auf: Das Gerät sieht halt auf den ersten Blick nur so aus, ist aber deutlich größer - und hat nur dadurch die Chance, aus der Masse der Smartphones herauszuragen. Ansonsten würde es kaum auffallen - es ist wie so viele Mobiltelefone abgerundet, schwarz und besteht überwiegend aus Plastik.
Für sein erstes Bada-Handy hingegen hat Samsung deutlich mehr Wert auf Optik gelegt. Das Wave kombiniert Kunststoff, Aluminium sowie Metall und wirkt dadurch anmutiger.
Display
Sowohl für das Wave als auch für das Android-Modell Galaxy S setzt der größte Bildschirmhersteller der Welt auf Super Amoled - im Vergleich zum herkömmlichen Amoled-Bildschirm besticht die Weiterentwicklung durch höhere Kontrastwerte und sattere Farben. Das Galaxy S ist mit einer Bildschirmdiagonale von vier Zoll deutlich größer als das Wave mit 3,3 Zoll oder Apples neuestes iPhone mit 3,5 Zoll.
Super Amoled ist die bislang einzige Technologie, die es mit dem so genannten Retina-Display des iPhone 4 von Apple aufnehmen kann. Die Screens beider Testgeräte reagieren äußerst flüssig und ruckeln nicht - auch heute bei vielen Geräten noch längst keine Selbstverständlichkeit.
Zudem gelten die Displays von Samsung als sehr robust: In einem Testvideo werkelt ein Koreaner wie wild mit einer Schraube auf dem Display herum. Nicht der kleinste Kratzer ist zu sehen. Erst ein Teppichmesser hinterlässt Spuren. Zudem übersteht das Galaxy S auch den wiederholten Sturz aus Hosentaschenhöhe von 90 Zentimetern. Allerdings trage ich es auf Grund seiner Größe lieber in der Hemdtasche oder in der Innentasche meines Jackets. Gut, dass es mir aus der Höhe nicht aus der Hand geglitten ist - den Sturz aus 160 Zentimetern vertrug das Display in dem Video dann doch nicht mehr.
Software
Einzelne Spezifikationen aufzuzählen erspare ich mir. Fünf-Megapixel-Kamera, WLAN-Zugang, die optimale Anbindung an soziale Netzwerke - das erwarte ich heutzutage von jedem Oberklassetelefon.
Zentrales Kaufkriterium ist für mich der Zugang zu einer Vielzahl von Software-Anwendungen, mit denen ich mein Mobiltelefon erweitern und dadurch auch personalisieren kann. Und da zeigt sich naturgemäß die große Schwäche von Bada: Plattformen wie Android von Google, Apples iPhone und das Betriebssystem von
Microsoft ziehen natürlich wesentlich mehr Entwickler an als die bei Weitem noch nicht etablierte Oberfläche von Samsung. Je mehr Reichweite die Software-Programmierer erzielen, desto höher fällt der Umsatz für kostenpflichtige Apps aus.
In Apples App Store finden sich mittlerweile mehr als 225.000 Software-Anwendungen. Über das Galaxy S können Nutzer auf inzwischen fast 100.000 Programme aus dem Android Market zugreifen. Von diesen Größenordnungen ist Samsung mit seinem Wave noch weit entfernt. Und ein anderer deutlicher Mehrwert von Bada im Vergleich zu Android, der diesen Missstand kompensieren könnte, ist nicht erkennbar.
Fazit
Beide Geräte zeigen, warum Samsung im Smartphonesegment derzeit Erfolg hat. Die US-Marktforscher von Gartner wiesen für die Südkoreaner im ersten Quartal bereits einen globalen Marktanteil in dem Boomsegment von 4,8 Prozent aus. Damit liegt Samsung auf Platz fünf - hinter Branchenprimus Nokia und den Smartphonespezialisten Research In Motion, Apple und HTC. Der Massenhersteller hat bei den Oberklassetelefonen schneller Fuß gefasst als vergleichbare Wettbewerber mit breiten Produktportfolios wie
LG,
Motorola und Sony Ericsson.
Samsung ist weltweit die Nummer eins bei Displays sowie jeweils die Nummer zwei im globalen Handy- und Chipgeschäft. Das verschafft den Südkoreanern einen Wettbewerbsvorteil. Hätte Samsung sein Android-Flaggschiff Galaxy S mit dem ersten Bada-Gerät Wave gekreuzt, hätte Apple sich vielleicht wirklich vor einem iPhone-Konkurrenten fürchten müssen. So aber sieht mir das Galaxy S zu beliebig aus, das Wave wiederum krankt an seinem unzureichenden App-Angebot. Vielleicht gelingt Samsung mit der nächsten Gerätegeneration endlich das, was bislang dem Konzern aus Cupertino vorbehalten ist - Begehrlichkeiten wecken.
Kursinformationen + Charts
| Unternehmen | ISIN | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| Samsung El. ADR | US7960502018.F | ||||
| APPLE COMPUTER, INC. | US0378331005.O | ||||
| RESEARCH IN MOTION | CA7609751028.O | ||||
| NOKIA CORP. A ADR EO 0,24 | US6549022043.DE | ||||
| Google Inc. | US38259P5089.O | ||||
| MICROSOFT CORPORATION | US5949181045.O | ||||
| LG Electronics Inc. Cap.(NV)(GDRs144A) 1 | US50186Q2021.SG | ||||
| MOTOROLA INC | US6200761095.N |
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