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03.02.2012
Einparken mit dem Lancia Thema in Kiel
Einparken mit dem Lancia Thema in Kiel
Foto: FTD/Christian Salewski

Unterwegs in Kiel

Einparken mit dem Lancia Thema

von Christian Salewski

Rückwärts, vorwärts, drehen, fluchen: Erst bei der Parkplatzsuche lernt man ein Auto richtig kennen. Diese Woche im Test: der Lancia Thema.

Es dauert nicht lange, bis man dieses Auto durchschaut. Im Grunde braucht es bloß einen zweiten Blick, höchstens einen dritten. Auf den ersten, noch aus der Ferne, wartet da eine europäische Limousine. Schwarz, wie Limousinen sein sollen, mit aggressiv geschnittenen Scheinwerfern, wie es sie braucht, damit die linke Spur sich von selbst leert. Aber vor allem einschüchternd groß. Fünf Meter lang, zwei Tonnen schwer, so steht er da, dieser Lancia Thema.

Doch je näher man kommt, desto deutlicher wird: Dieses Auto spricht Englisch mit breitem amerikanischem Akzent. Das Heck kantig wie beim Cadillac, die Front protzig wie beim Mustang. Aus der Nähe betrachtet alles ein klein wenig zu dick aufgetragen. Tatsächlich handelt es sich beim Lancia Thema um einen Chrysler 300, etwas aufgepeppt und umgemodelt für den europäischen Markt. Oder anders gesagt: Dieser Italiener ist in echt ein Ami. Nice try statt Eleganza.

Im Grunde kann ich unter diesen Voraussetzungen nur an einem Ort einparken - im Kieler Stadtteil Düsternbrook. Da, wo ich seit meiner Jugend die Möchtegerns vermute, die irgendwie zu Geld gekommen sind, aber die Sache mit dem eigenen Stil nicht ganz verstanden haben.

Noch in Hamburg, auf dem Weg zur Autobahn, piept und blinkt der linke Spiegel. Der Toter-Winkel-Assistent assistiert auch dann, wenn ich stur geradeaus fahre und links überholt werde. Ich beschließe, schlauer zu sein als das Auto und mich nicht mehr überholen zu lassen. Drei Ampeln weiter werde ich geblitzt.

Auf der A7 endlich Frieden. Die Spuren sind zu breit für den piependen Spiegel, und die "adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit Abstandskontrolle und Auffahrwarnsystem" ist offenbar ausgeschaltet. Jedenfalls lässt der Lancia mich machen, ohne zu murren. Kick-down, kurzes Rütteln, Abfahrt. Entspannt gleite ich mit 180 dahin.

Den Weg in die Lücke am Meer weist die Kamera im Heck: Ein Blick auf den iPad-großen Monitor, und ich sehe, wie sich der Kantstein nähert. Statt eines Spaziergangs an der Förde könnte ich mir jetzt auch per Knopfdruck den beheizten Ledersitz zur Liege umbauen und eine DVD einwerfen. In einem Auto, in dem man den Kopf nicht mehr drehen muss, wird man schnell faul, denke ich. Zum Glück habe ich keine DVD dabei.

Beim Spazierengehen stelle ich mir die Frage, ob Parmaschinken eigentlich schlechter schmeckt, wenn er in einem wandgroßen Kühlschrank mit Eiswürfelmaschine gelagert wird. Ich denke nicht. Die Neue Welt hat der Alten viel zu geben. Dass etwa im Lancia der Becherhalter Getränke wahlweise kühlen oder heizen kann, pffft. Aber dass er dabei je nach Temperatur blau oder rot leuchtet, der Becherhalter, das ist schon der Hammer.

Die größte Freude aber bereitet das beheizbare Lenkrad, das auf Vorder- und Rückseite mehr Knöpfe hat als ein Playstation-Controller. Einziger Kritikpunkt: Die Temperatur des Becherhalters lässt sich nicht über das Lenkrad regeln. Man muss schon den Arm bewegen.


Selbst rangieren:

Länge 5,07 m

Breite 1,90 m

286 PS

CO2-Ausstoß 219 g/km

Verbrauch 9,4 l

50.900 Euro


© 2012 ftd.de

Was die Leser sagen

Frank Barth
04.02.2012 | 00:36
Lancia Thema

THEMA verfehlt, Herr Salewski ?!
Was bitte wollen Sie mir und ggf auch Anderen mit Ihrem Rhetorik-Murks über den Lancia Thema eigentlich mitteilen ?
Das "Vorgänger"-Modell Chrysler 300 C fahre ich seit einigen Jahren mit grosser Freude und Zufriedenheit!
Ist es Ihre Intention, mich abzuhalten von dem Gedanken, der Lancia Thema könnte die bessere Alternative sein als Nachfolger denn ein 0815er-5er-BMW oder Audi-A4-Variant, wie am Ende Sie ihn - noch nicht "irgendwie (weder)zu Geld (noch zu Stil) gekommen" - mit stolzgeschwellter Brust durch die Stilmetropole Kiel bewegen?
Völlig den Faden verloren haben Sie offensichtlich in der "Parma-Schinken-Passage" Ihrer Mitteilung: man wird das Gefühl nicht los, hier läßt sich jemand über Stil, Geld und guten Geschmack aus, ohne aber selbst den 12 Monate gereiften italienischen Landschinken aus der LIDL-SB-Packung von einem 24 Monate-Gran-Riserva-Prosciutto-di-Parma unterscheiden zu vermögen.
Gruß aus dem Hochtaunuskreis.
Frank Barth, Parmaschinkenimporteur seit 40 Jahren

(Kommentare 1-1 von 1)

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Quelle: FMH-Finanzberatung
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