"Einige von euch haben das schon gesehen", ätzte Steve Jobs am Montag in San Francisco, Sekunden bevor er das iPhone 4 präsentierte. Großes Gelächter der über 5000 anwesenden Entwickler. Wer im Saal hatte die Mitte April von Gizmodo genüsslich veröffentlichten Details zu
Apples neuestem Smartphone nicht schon gesehen. Der Technologie-Blog hatte den iPhone-Prototyp gekauft, den ein Apple-Mitarbeiter in einer Bar im Silicon Valley verloren haben soll.
Gizmodo löste mit der Veröffentlichung eine selbst für den an wilde Gerüchte gewöhnten Konzern außerordentliche globale Publicity- und Spekulationswelle - und eine Untersuchung der zuständigen Staatsanwaltschaft - aus. "Aber glaubt mir, ihr habt noch nicht alles gesehen", versprach Jobs also bei seiner Eröffnungsrede auf der Apple-Entwicklerkonferenz.
Tatsächlich verfügt das iPhone 4 neben den bereits vermuteten Erweiterungen über einige Neuigkeiten. "Das ist der größte Sprung seit dem ursprünglichen iPhone", sagte der wie immer in einen schwarzen Rolli und Jeans gekleidete Apple-Chef am Montag über das neue iPhone.
Die neu gestaltete, vierte Generation des vor drei Jahren eingeführten Geräts ist zwingend für den Silicon-Valley-Konzern. Immer mehr Rivalen versuchen, sein Erfolgsrezept aus innovativer und optimal verknüpfter Handyhard- und Software sowie einem umfangreichen Online-Shop für Smartphone-Anwendungen zu unterlaufen.
Attraktive Konkurrenz
Zwar fand die Konkurrenz in den vergangenen drei Jahren nicht das richtige Gegenmittel gegen iPhone und App Store. Aber mittlerweile gibt es immer mehr attraktive Konkurrenzprodukte. Einige Handys, die mit
Googles Betriebssystem Android ausgerüstet sind, können es mit dem iPhone-4-Vorgänger aufnehmen und übertreffen ihn in Sachen Funktionalität und Geschwindigkeit sogar.
Der Handy-Markt wird für Apple immer wichtiger. Im jüngsten Quartal war das iPhone mit einem Umsatzanteil von 40 Prozent noch vor den Mac-Computern der größte Umsatzbringer des Konzerns. Um so wichtiger ist es für Apple, die bestehenden iPhone-Kunden zum Aufrüsten auf neue Modell zu bewegen, sowie neue Kunden zu finden.
Inmitten der Vorstellung hatte Jobs mit Netzwerk-Problemen zu kämpfen, was an den vielen W-Lan-Stationen im Saal gelegen haben soll. Der Apple-Chef bat die anwesenden Journalisten und Blogger, das Tickern zeitweise einzustellen.
Das iPhone 4 kommt am 24. Juni in den USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Japan in den Handel. Die Preise für Deutschland sind noch nicht bekannt. In den USA betragen sie 199 Dollar für das Modell mit einem Speicher von 16 Gigabyte und 299 Dollar für das 32-Gigabyte-Modell. Bis September soll es in 88 Ländern verfügbar sein, laut Jobs die bislang schnellste Markteinführung für ein iPhone. "Apple hat an die 150 internationale Mobilfunkpartner, verglichen mit den über 400 Partnern des Smartphone-Marktführers
Research In Motion - Apple steht also noch am Anfang und hat noch viel Kapazität", sagt Brian Marshall, Analyst beim US-Investmenthaus Broadpoint AmTech.
Nun legt Apple die Latte für die Konkurrenz höher. Das neueste Modell verfügt wie von Gizmodo vorhergesagt über eine längere Batterielaufzeit, einen deutlich besseren Bildschirm und eine zweite Kamera für Videotelefonate. Was noch nicht bekannt war: Das neu in Glas und Edelstahl gehüllte iPhone 4 ist nur noch 9,3 Millimeter dick, also fast ein Viertel dünner als der Vorgänger, das iPhone 3GS. "Das ist das dünnste Smarthpone auf dem Planeten", behauptete Jobs.
Mit der neuen Kamera und einer neuen Funktion namens Face-Time können iPhone-4-Nutzer mit einem Knopfdruck untereinander Videotelefonate führen, ohne irgendwelche Einstellungen vornehmen zu müssen. Allerdings ist das vorläufig nur über eine W-Lan-Verbindung-möglich, nicht über das Mobilfunknetzwerk. Laut Jobs wird Apple mit Mobilfunkanbietern diese Möglichkeit ausloten.




















