Wenn es um Oldtimer geht, ist weniger mehr. Dieses Prinzip bewahrheitet sich beispielsweise bei Motorrädern von Harley-Davidson. Die meisten Modelle der Marke mit dem markant blubbernden V-Motor sind in ausreichender Anzahl auf dem Markt verfügbar. Oft zu viele, um in Zukunft richtig wertvoll zu werden. Aber ein paar seltene und kostbare Stücke gibt es schon. Sie stammen häufig aus der Zeit zwischen 1920 und 1950 und verzeichnen im Zehnjahresintervall zweistellige Wertzuwächse - solange Zustand und Modell passen.
Im Vergleich zu anderen Marken spielen alte Harleys in einer eigenen Liga. Sie sind ein "Brand". Bei der derzeit einzigen nennenswerten Motorrad-Company der USA zählen Status und Image. Da Biker den Duft von Freiheit und Abenteuer mögen, umgeben sie sich gern mit dem Mythos von Easy Rider, dem Road Movie aus dem Jahr 1969, der als Kultfilm das Lebensgefühl der 60er-Jahre beschreibt. Sowohl die neuen als auch die alten Bikes der Vorzeigemanufaktur finden so ihre Kundschaft. Sie reicht vom New Yorker Fondsmanager bis zum Rocker mit Zopf aus Los Angeles.
Hierzulande werden die Klassiker gern von Wirtschaftsprüfern, Architekten und Zahnärzten gekauft, aber auch weniger gut verdienende Enthusiasten gönnen sich den Luxus. Manchmal auch per Kredit. Die Zielgruppe der 35- bis 60-Jährigen ist identisch mit den Besitzern von Oldtimern. Nicht selten stehen zwei Maschinen und mehr in der Garage: Neben den gepflegten Oldies auf dem Altenteil, die in den vergangenen zehn Jahren sukzessive an Wert zulegten, steht die Gebrauchsmaschine.
Finanzkrise beeindruckt die Sammler kaum
Für die raren Harleys müssen Sammler tief in die Tasche greifen. Oldtimerexperte Andreas Koehler vom Berliner Harley-Vertragshändler Classic Bike sagt: "Eine Harley Knucklehead, Jahrgang 1936, wird nicht unter 30.000 Euro gehandelt, Tendenz steigend." Mit spezifischen Anbauteilen und in bestem Zustand beginne die Skala für Nachkriegsmodelle bei etwa 20.000 Euro. Gut in Schuss und fahrtüchtig würde zum Beispiel eine Harley-Davidson Panhead von 1948 im Starr-Rahmen mit Springergabel 25.000 Euro kosten. Die Finanz- und Wirtschaftskrise habe höchstens am Anfang zu einer kleinen Nachfragedelle geführt. Inzwischen hätten die Kurse wieder ordentlich angezogen.
Geld spiele bei den Oldies im Übrigen nicht die entscheidende Rolle, sagt der Harley-Experte. Das Problem sei der Nachschub aus den Staaten. Liebhaber hätten die guten Stücke als Identifikationssymbole entdeckt, und eine Ausfuhr werde zunehmend schwieriger. Koehler: "Alte Harleys haben in den USA den Status eines schützenswerten Kulturguts und immer weniger verlassen das Land." Wertvolle Maschinen würden vorher von Profis weggekauft.
Ähnlich wie bei Harley Davidson sind die Modelle der Bayerischen Motorenwerke bis 1950 besonders begehrt. Sie sind Zeugen des hohen technischen Standards deutscher Maschinenbaukunst und bestechen durch Qualität und Langlebigkeit. So ist es kein Wunder, dass man sie heute mehr als andere Oldtimer auf der Straße sieht. Auch wenn sie weniger Kultstatus besitzen, verzücken die ersten 250er-Einzylinder und 500er- und 750er-Boxer die Sammler. Spezialisierte Werkstätten wie der unter Kennern über das Rhein-Main-Gebiet hinaus bekannte Motorradshop von Ulrich Seiwert in Frankfurt besorgen Originalersatzteile und restaurieren die Fahrzeuge.
Wie Ulrich Seiwert sind Schrauber in der Regel auch Sammler und organisieren Ausfahrten und Treffen. Hier werden auch mal Oldtimer gehandelt. Ein interessantes Objekt wäre beispielsweise die BMW R 69 S, die schnellste Version dieser Reihe mit einer Spitzengeschwindigkeit von 175 Stundenkilometern. Gut erhalten wird sie unter 20.000 Euro nicht angeboten. Rolf Surmann, Analyst bei Classic-Data, zählt die Vorkriegsmodelle von BMW zu den Highlights: "Eine R 37/500 aus dem Jahr 1929 liegt heute im Wert zwischen 35.000 und 40.000 Euro. Sportliche Maschinen sind besonders beliebt. Wobei für echte Rennmaschinen wie die R 51 RS, Jahrgang 38/39, bis 50.000 Euro ausgegeben werden. Von diesem Zweirad wurden nur 17 Einheiten für Privatfahrer mit Rennsportambitionen gebaut." An deutschen Fabrikaten rage noch die in wenigen Stückzahlen gebaute Münch heraus. Eine Münch Mammut kostet heute zwischen 45.000 und 50.000 Euro.
Hochpreisiges von der Insel
Hochpreisig sind auch Maschinen aus England. Eine Brough Superior SS 100 der Jahrgänge 1930 bis 1935 ist mindestens 50.000 Euro wert, in diesem Falle spiele sogar der Zustand eine untergeordnete Rolle. Auch die britische Vincent 1000 V2 - als schnellste 1000er eine Legende - kostet mehr als 30.000 Euro.
Wie gefragt seltene Bikes sind und wie viel Kursfantasie in Motorrädern stecken kann, zeigt das Ergebnis einer Auktion in England im Oktober 2008. Auf der Stafford Motorcycle Show wurde eine Vincent Black Lightning von einem anonymen Bieter für 221.500 Pfund ersteigert.




















